Asterix zwischen Wanne und Eickel
Zum zehnten – also x-ten – Mal erscheint ein Asterix auf Ruhrdeutsch. „Übbasetzt von Hennes Bender“ heißt der vom Comic-Duo René Goscinny und Albert Uderzo ursprünglich unter dem Titel „Le Grand Fossé“ (deutsch: „Der große Graben“) veröffentlichte Band nun „Der Mond von Wanne-Eickel“.

Eine Leseerfahrung von kir-Redakteurin Sarah Meyer-Dietrich
Ein bisschen Ruhrpott-Romeo-und-Julia schwingt durchaus mit in „Der Mond von Wanne-Eickel“. Ist da doch eine Liebe, die nicht sein darf: Fritz, der Sohn des Präsidenten von Wanne, liebt Schakeline, Tochter des Chefs von Eickel – und umgekehrt. Alles könnte schön sein, wäre da nicht der große Graben zwischen Wanne und Eickel, der die Dorfhälften und damit die Liebenden trennt. Und wäre da nicht Schakelines Vater Urbanskix, der sich mit Unterstützung ausgerechnet der römischen Besatzer ganz Wanne-Eickel zu untertan machen will. Um das zu verhindern, eilen Asterix, Obelix und Miraculix zu Hilfe – und natürlich gibt es, wie könnte es auch anders sein, immer wieder ordentlich „auffe Omme“.
Comic in Ruhrpott-Mundart
Erzählt wird das Ganze in Ruhrpott-Mundart, „übbasetzt“ von Hennes Bender, der bereits neun Ruhrpott-Asterix-Bände erfolgreich auf den Weg gebracht hat.


Für mich, die ich mit den französischen Original-Asterix-Bänden meines Vaters groß geworden bin, ist es der erste Ruhrpott-Band. Und weil mein siebenjähriger Sohn mittlerweile die Asterixe seines Opas geerbt hat, lese ich den Band mit ihm gemeinsam. Mein Sohn hangelt sich einige Seiten lang von Buchstabe zu Buchstabe, dann übernehme ich und lese vor. Für einen Erstleser ist die Ruhrpott-Mundart doch zu schwierig und selbst ich verhasple mich bei Satzkonstruktionen wie „Neue Römers, die wo dann meine Höflichkeit kennen lernen tun dürfen!“ Zum Vorlesen ist der Comic aber sicher auch nicht vorrangig gedacht. Eher zur stillen Lektüre.
Die Lektüre als Sprachexperiment
Für meinen Sohn und mich wird die gar nicht so stille Lektüre zur spannenden Sprachforschungsreise. Er fragt nach, ich erkläre. Und übersetze. Denn auch wenn mein Sohn in der ruhrdeutschen Variante viel mehr als bei Opas französischen Originalen versteht: Eine Fremdsprache ist die Ruhrpott-Mundart, die Hennes Bender hier natürlich ordentlich auf die Spitze treibt, für ihn doch.

So lernt mein Sohn Begriffe wie Mottek, Klümpkes oder für Umme, die schon in meiner Kindheit wenig geläufig waren. Er lacht über selbsterklärende neue Worte wie „Pappkopp“ und wir ergründen gemeinsam den Wortwitz der „Untatagesstätte“. Für Pottanleihen wie das „Bergmannsheil“, in dem die Römer verarztet werden, oder das „Glück auf“, mit dem Schakeline und Fritz Asterix, Obelix und Miraculix verabschieden, braucht mein Sohn keine Erklärung. Selbstverständlich gehören sie auch heute noch für ihn zum Lebensalltag dazu. Und Sätze wie „Is mia der Himmel auffe Omme geknallt? Voll die Kopp-Pinne, ey!“ oder „Jawollski! Hab voll Böcke auf Trallafitti, Asterix!“ entwickeln ihre ganz eigene Pott-Poesie.
Am Ende siegt die Liebe
Es gibt natürlich auch Ebenen im Comic, die erkläre ich nicht, sondern über die schmunzle ich nur leise in mich hinein. Politische Anspielungen („Mach dat Kaff wieda töffte!“) und Anleihen popkultureller Natur („Et kommt der Tach, da will dat Beil beilen!“) etwa. Oder die Übertragung des großen Grabens auf die Kluft zwischen Wanne und Eickel.

Gräben wie dieser sind ja nicht untypisch für das Ruhrgebiet, wo Buer und Gelsenkirchen, Wattenscheid und Bochum bis heute nicht ganz zusammengewachsen sind. Im Comic aber siegt am Ende die Liebe! Schakeline und Fritz heiraten, Wanne-Eickel wächst zusammen und der Graben wird – durch eine Umleitung der Emscher – zum Fluss quer durch das Dorf.
Asterix Mundart Ruhrdeutsch X – Der Mond von Wanne-Eickel
Übersetzung: Hennes Bender
Verlag: Egmont Comic Collection
Preis: 15 €