Kunst und Kopie: Banksy in Dortmund

Banksys Werke sind immer mehr als eine Darstellung. Seine Graffitis und Bilder sind Statements. Seine Identität? Ein Mysterium. Seine Werke? Jetzt zu sehen in der Schau “House of Banksy Dortmund – An Unauthorized Exhibition”.

Seine Kunst ist dort zu sehen, wo sie hingehört: mitten in der Stadt, nah an den Menschen. Das ehemalige C&A- Gebäude in der Dortmunder City bietet die Kulisse für die wohl bekannteste Street Art unserer Zeit. Auf rund 2.000 Quadratmetern ist ein Querschnitt der sehr vergänglichen Arbeiten Banksys zu sehen. Wobei: Präsentiert werden eher seine Ideen, seine Aussagen. Denn alles, was die Schau zeigt, haben andere Künstler geschaffen, nach den Vorlagen der Graffitis, Bilder und Installationen, die an ihren Original-Standorten längst abgewaschen, übermalt, entfernt oder deinstalliert wurden. Die Kritik, die in den Aussagen seiner Werke steckt, und auch die Wahl der Orte bescheren Banksys Arbeiten oft eine nur kurze Halbwertzeit. Einige wenige Serigrafien befinden sich heute in Privatbesitz.

Graffitis, Fotografien, Skulpturen, Videoinstallationen und Drucke wurden eigens für diese Ausstellung reproduziert und zusammengetragen. Viele Kopien wurden von Graffiti-Artists eigens für jede Ausstellung live vor Ort hergestellt und gesprüht. Um den Charakter zu erhalten, werden sie in Kulissen eingefügt. “Wir wollen so die Werke und vor allem die Message hinter jeder seiner Aktionen und Arbeiten der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen und darauf hinweisen, wie wichtig es ist, die wenigen noch verbliebenen Originale im öffentlichen Raum zu schützen”, so Oliver Forster, der Produzent der Ausstellung. Und überhaupt: Originale auszustellen und eine Autorisierung des Künstlers zu bekommen, der seine Identität nicht preisgibt, sei kaum möglich. 

Banksy selbst scheint damit kein Problem zu haben. “Copyright is for Losers”, schrieb er in seinem Buch “Wall and Piece”. Und ums Verkaufen geht es dem Künstler auch nicht: Viele Erlöse spendet er − so wie die 19,5 Millionen Euro, die das Gemälde “Game Changer” in einer Kunstauktion einbrachte. Banksy hatte das Bild unbemerkt in einer britischen Klinik aufgehängt. Das Geld kam nach seinem Willen dem britischen Gesundheitssystem zugute. Mit seinen Einnahmen finanzierte er zudem den Kauf der Hochgeschwindigkeits-Yacht M.V. Louise Michel, die seit 2020 im zentralen Mittelmeer zur Rettung in Seenot geratener Migranten patrouilliert. Dem Hilfsprojekt ist in der Ausstellung ein eigener Raum gewidmet. Hier werden auch Spenden für den Betrieb gesammelt.

Hinter der Schau steckt ein kommerzielles Ausstellungsunternehmen aus Deutschland, das mit publikumswirksamen Themen durch Europa tourt. Die beiden Banksy-Ausstellungen waren mittlerweile in 32 Städten und neun Ländern zu sehen. Mehr als 3,3 Millionen Besucherinnen und Besucher sahen sie laut Angaben des Veranstalters schon. “House of Banksy” gastiert bis zum 15. März 2026 in Dortmund. Zum Teil parallel dazu ist die Schau auch in Leipzig, Hanau und Mannheim zu Gast.