Gestrandet im Dom: The Cast Whale Project

Man möchte sich die Augen reiben: Mitten im Xantener Dom liegt ein Wal! Der 14 Meter lange Körper ist Inspiration und Denkanstoß für ein Kunst- und Veranstaltungsprojekt. Geschaffen hat die Skulptur der israelische Künstler Gil Shachar. Noch bis zum 22. März ist die Installation in Xanten zu erleben.

Ausgestreckt im Mittelgang des St. Viktor Doms liegt er, schon leicht eingefallen ist der Körper, beinahe wie eingesunken in den kalten Boden. Der graue Koloss ist eine Kunstinstallation, geschaffen vom Wahl-Duisburger Gil Shachar. 2018 war das Tier am Strand von Lambert’s Bay in Südafrika angespült worden. Der Künstler und sein Team haben Abgüsse vom riesigen Kadaver genommen und ihn als Skulptur verewigt. Seitdem ist er als “The Cast Whale Project” viel herumgekommen: Kapstadt, Berlin, München und auch im Kunstmuseum Bochum war die Installation bereits zu sehen. 

Der Wal als Botschaft(er)

Nach Xanten geholt wurde das Cast Whale Projekt von Schulen und dem Kita-Verbund der Xantener Propsteigemeinde St. Viktor (Kita-Verbund, Marienschule Xanten und Berufskolleg Placidahaus Xanten), dem Jugendpastoral des Bistums Münster und der Propsteigemeinde St. Viktor. Im imposanten Kirchenraum soll die Skulptur zum Botschafter einer geschundenen Natur und Kreatur werden und dafür stehen, wie wir Menschen mit unserer Erde und ihrer Schöpfung umgehen.

Weihbischof Rolf Lohmann, Schirmherr der Kunstinstallation, fasst das so zusammen: “Mit diesem gestrandeten, toten Tier haben wir im Grunde genommen die ganze Botschaft von Tod und Auferstehung plastisch vor uns. Es ist nicht zufällig, dass die Kunstinstallation während der Fastenzeit im Xantener Dom stattfindet. Sie soll dazu anregen, die Frage von Schöpfungsverantwortung, von Klimagerechtigkeit in den Blick zu rücken.” Die Skulptur sei dabei kein naturwissenschaftliches Objekt, sondern ein Kunstwerk, “das mit dem Kirchenraum in Verbindung tritt”, so Gil Shachar.

Akustisch umrahmt wird die Installation von John Cages “Litany for the Whale” – einem  archaischen Gesangstück für zwei Solostimmen, das sowohl an Wal- als auch an Gregorianische Gesänge erinnert. Den thematischen Rahmen setzt ein Veranstaltungsprogramm, das von Diskussionen über Rezitationen bis hin zum Quiz reicht. Das Ziel: Denkanstöße geben, Verantwortung und Achtsamkeit fördern. 

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, die Installation zudem täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Mehr zum Projekt und zum Programm steht auf der Homepage des Placidahauses Xanten.