Für eine gerechtere Welt: Fasia Jansen
In den 1950er-Jahren kam Fasia Jansen als junge Frau aus Hamburg ins Ruhrgebiet. Knapp 30 Jahre nach ihrem Tod wirkt die aktivierende Kraft der Schwarzen Sängerin, Liedermacherin und Aktivistin noch immer nach. Aktuell erinnert ein Festival an sie.

„Bevor wir demonstrieren, will ich euch singen/Singen von kommenden Zeiten/Die wir den Kindern bereiten/Singen von dem, was sie bringen.“ So lautet die erste Strophe eines Liedes der Schwarzen Sängerin, Liedermacherin und AktivistinFasia Jansen, 1929 in Hamburg geboren, in den 1950er-Jahren nach Oberhausen umgesiedelt, wo sie 1997 starb. „Freedom, Freiheit, Liberté!“, heißt es im Refrain dieses Liedes, in dem Fasia von einer Welt singt, in der kein Mensch aufgrund der Hautfarbe bangen muss, in der Universitäten allen offen stehen und niemand arm oder reich ist. „Fasia war felsenfest davon überzeugt, dass wir die Welt friedlicher und gerechter machen können“, erinnert sich meine Mutter, die Autorin Inge Meyer-Dietrich, die sie Anfang der 1980er-Jahre in der Friedensbewegung kennenlernte. „In meiner Erinnerung war sie bei jeder Demo damals dabei. Immer mit ihrer Gitarre. Aber ich habe Fasia nie als dogmatisch erlebt. Sie war so offen. Mit ihr konnte man reden.“
Antrag auf Reparationszahlungen abgelehnt
Dabei hätte Fasia Jansen, die in Hamburg als uneheliches Kind des Zimmermädchens Elli Jansen und des liberianischen Generalkonsuls Momulu Massaquoi aufwuchs, allen Grund gehabt, verbittert zu sein. Das Nazi-Regime hatte nicht nur ihren Träumen, eine Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin wie Josephine Baker zu werden, einen Riegel vorgeschoben.

Für das Pflichtjahr, das andere Mädchen in privaten Haushalten absolvierten, wurde sie aufgrund ihrer „nicht arischen“ Herkunft als 15-Jährige in die Küche des KZ-Außenlagers Neuengamme abgestellt. Sie erlebte die Grausamkeit der SS, das Leid der inhaftierten Menschen und erlitt selbst eine Herzmuskelentzündung, von der sie sich nie mehr ganz erholte. Ihr späterer Antrag an den deutschen Staat auf Reparationszahlungen wurde abgelehnt. Schwarze Menschen seien nicht Zielscheibe des Nazi-Regimes gewesen, lautete die Begründung. Als wäre Fasia selbst nicht Gegenbeweis genug gewesen.
Mut zum Widerstand
Schon als Fasia Jansen von Hamburg nach Oberhausen zog, wo sie zunächst bei der Familie ihrer Freundin Anneliese Althoff wohnte, die 1970 den Asso Verlag mitgründete, war sie als politische Sängerin aktiv. Immer wieder verlieh sie mit ihren Liedern anderen eine Stimme. So auch den Frauen, deren Männer und Söhne durch den Strukturwandel in der Region arbeitslos wurden.

Und ausgerechnet sie, die allen Grund gehabt hätte, mutlos zu sein, machte den Frauen, die in Dortmund, Gelsenkirchen und Hattingen gegen die Schließung von Stahlwerken, Hütten und Hochöfen kämpften, Mut, sich zu formieren und Widerstand zu leisten.
Eine ungeheuer aktivierende Kraft
„Wenn es eine Person gibt, die aus den sozialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts im Ruhrgebiet nicht wegzudenken ist, dann ist es Fasia Jansen“, sagt Dr. Iuditha Balint, Direktorin des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, das den Nachlass der Musikerin verwaltet.„Ob in der Frauenbewegung, der Friedensbewegung, bei Zechenschließungsprotesten oder anderen Arbeitskämpfen: Ihre Musik, ihre Stimme, ihre Gitarre, ihr Akkordeon waren stets präsent, und sie als Person war eine ungeheuer aktivierende Kraft.“ Auch heute, fast 30 Jahre nach Fasia Jansens Tod, wirkt diese Kraft noch nach.

Dieser Tage findet im Bahnhof Langedreer in Bochum ein Festival unter dem Titel „Unforgotten – Fasia Jansen: Black Art & Resistance Festival“ statt (17. – 19. September), das sich neben dem Erinnern an Fasia Jansen als Schwarze, queere und antifaschistische Widerstandsfigur auch gegenwärtigen Schwarzen und diasporischen Künstler:innen widmet. Gefördert wird das Projekt u. a. vom Regionalverband Ruhr und seinem Projekt Interkultur Ruhr. Jedes Jahr organisiert zudem die Fasia-Jansen-Stiftung in Oberhausen das Fasia-Jansen-Festival[KR2] . Auch eine Schule ist hier nach ihr benannt.

Heute wichtiger denn je
Fasia Jansen hat vieles und viele bewegt. Doch „die kommenden Zeiten“, von denen sie im eingangs zitierten Lied „Freedom, Freiheit, Liberté!“ singt, sind noch immer Utopie. Rücken, so scheint es, mehr denn je in unerreichbare Ferne. „Umso wichtiger ist es, Fasia Jansen und ihr Werk auch für jüngere Generationen, für unsere Gegenwart und Zukunft zugänglich und sichtbar zu halten, ihre Energie, ihren antifaschistischen Kampf weiter walten zu lassen“, sagt Dr. Iuditha Balint. „Wir brauchen Persönlichkeiten, die andere mitziehen und empowern – und genau so eine Persönlichkeit war sie. Das wird in jedem einzelnen Videoclip sichtbar, der von ihr erhalten blieb.“ Und in den Erinnerungen derer, die sie kennenlernten. „Sie war so ein positiver Mensch“, erinnert sich meine Mutter. „Und lachen konnte sie! Mit dieser wunderbar perlenden Stimme.“
Autorin: Sarah Meyer-Dietrich