Ein Festival, das alle abholt: Favoriten 2026

Das Willkommen-Heißen als Haltung – das ist es, was das neue Leitungsteam Jonas Leifert und Rika Sakalak ihrer ersten Ausgabe des Favoriten Festivals in Dortmund als Leitlinie mitgegeben hat. Mit den ausgewählten Produktionen der Freien Szene wollen die beiden so viele unterschiedliche Menschen wie möglich erreichen.

Elf Tage lang, vom 1. bis zum 11. Oktober, ist Dortmund Treffpunkt der Freien Darstellenden Szene. Unter dem Motto „Public Retreats – Rückzug in die Gesellschaft“, präsentiert das Favoriten Festival 13 ausgewählte Produktionen aus Theater, Tanz und Performance. Schon bei der Auswahl war dem Team wichtig, möglichst viele Zuschauerinnen und Zuschauer ins Boot zu holen: „Wir sind wahnsinnig gespannt, die Publikumsreaktionen zu sehen. Für die Programmauswahl haben wir über 300 Stücke aus ganz NRW gesichtet“, erklärt Festivalleiter Jonas Leifert. „Wir haben darauf geachtet, dass für alle etwas dabei ist: Es gibt Stücke für Kinder und Jugendliche, wir zeigen Tanz, Theater und Performances, die ganz verschiedene Themen behandeln.“ Rika Sakalak, die zweite Hälfte des Leitungsteams, ergänzt: „Das Willkommen-Heißen ist auch eine Haltung, die wir als Festivalteam durch das ganze Programm sichtbar machen möchten.“

Das Programm ist konsequent auf diese Willkommenskultur ausgerichtet. Es gibt kurze Einführungen vor jedem Stück, Audiodeskriptionen oder Ankündigungen in leichter Sprache, um die Schwelle für den Besuch möglichst niedrig zu halten. Besondere „Relaxed Performances“ definieren die Regeln für Kulturgenuss neu: Hier geht es locker zu, das Publikum kann auch auf Sitzsäcken teilnehmen, zwischendurch den Saal verlassen und wieder reinkommen. Komplizierte Programmtexte, die niemand versteht, waren tabu. Zudem steht während des Festivals ein Awarenessteam als Ansprechpartner für alle bereit, die sich unwohl fühlen oder Hilfe brauchen.

Niedrigschwellige Spielorte

Gespielt wird überall dort, wo Menschen gern zusammenkommen − zum Beispiel im Deutschen Fußballmuseum, im Sozial-Ökologischen Zentrum, im domicil, in der Maschinenhalle der Zeche Zollern, auf dem Friedensplatz in der Innenstadt und im Theater im Depot. „Unser Ziel war von Anfang an, in die Stadt zu gehen und direkt mit den Dortmunder:innen zu kommunizieren“, erzählt Rika Sakalak. „Dabei war uns wichtig, dass wir unterschiedliche Kulturorte mit dem Festival bespielen und die Menschen da abholen, wo sie jeweils sind.“

Besonders ans Herz legen Leifert und Sakalak den Menschen das große Favoriten Fest am 3. Oktober auf dem Dortmunder Friedensplatz. Ein Fest der Künste soll es werden, mit einem kostenlosen Programm voller Workshops, Aufführungen und Aktionen für die ganze Familie. Ganz im Sinne der Kultur für alle. Im Hauptprogramm der Favoriten finden sich dann so unterschiedliche Arbeiten wie die hybride, postdigitale Performance „The Death At The Code!“ von Brig Huezo, bei der Tanz, Tik-Tok-Memes und Game-Design aufeinandertreffen, oder das Recherche-Theater „MAKING THE STORY – Ukrainische Fixer im Krieg“ von Futur 2. Junges Publikum bestimmt in „Unsere Grube“ von pulk fiktion selbst, wie gespielt wird.

Und noch ein persönlicher Tipp von Rika Sakalak: „Am Abend (Samstag, 3. Oktober) kann man ‘APOLLON’ von waltraud900 im Orchesterzentrum erleben – ein berührender Theaterabend über Väter und Söhne, Männlichkeit und ganz viel Musik. Uralte Mythen werden dabei neu gelesen und direkt in unsere Gegenwart geholt. Und wer weiß: Ist Apollon am Ende noch immer der einflussreichste Männlichkeits-Influencer?“

Das Favoriten Festival

Das Favoriten Festival findet alle zwei Jahre in Dortmund statt. Es ist eines der ältesten Festivals der Freien Darstellenden Künste in Deutschland. Veranstaltet wird es vom NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste und dem Kulturbüro der Stadt Dortmund. Seit Mitte des vergangenen Jahres haben Jonas Leifert − Kurator, Dramaturg, Kulturmanager und zuletzt Leiter des Dortmunder Festivals “Szene machen!” − und Rika Sakalak − Dramaturgin, Kuratorin, Diversitätsmanagerin und zuletzt Produktionsdramaturgin für das Impulse Festival – die künstlerische Leitung inne.