Puppen, Poesie, Politik und Performance: das Fidena Festival 26

Lebensgroße Marionetten aus Eis, Binge-Watching als Live-Erlebnis und Wiener Schmäh auf der Puppenbühne – das diesjährige Fidena Festival vom 13. bis zum 21. Mai spart nicht mit Hinguckern. Das neue Leitungsteam sprüht vor Ideen.

Es ist die erste Ausgabe der Internationalen Figurentheatertage, die Helene Ewert und Christofer Schmidt verantworten. Schon seit 1958 versammelt das Festival alle zwei Jahre herausragende Figurentheater-Produktionen aus aller Welt. Festivalzentrum ist traditionell Bochum – die Stadt, in der Fritz Wortelmann wirkte und der Sparte zu Anerkennung verhalf. Ewert und Schmidt erweitern den Radius in diesem Jahr nochmals: Neben der Rotunde in Bochum – die Spielort, Zentrum, Party-Location, Kino und Treffpunkt zugleich ist − spielen u. a. auch das Schauspielhaus, das Kunstmuseum und das endstation.kino mit. Weitere Fidena-Bühnen stehen in Herne, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Essen, Dortmund und − erstmals – in Wuppertal. Insgesamt sind 28 Produktionen aus 16 Ländern zu sehen.

Marionetten aus Eis

Schon die Eröffnungspremiere verspricht einen echten Hingucker: Die französische Compagnie Théâtre de l’Entrouvert bringt lebensgroße Marionetten aus Eis auf die Bühne der Kammerspiele Bochum (13. und 14. Mai). „The Waves“ nach Virginia Woolf führt poetisch und einfühlsam durch den Kreislauf des Lebens. Das Stück kommt als Deutschlandpremiere und englischsprachige Erstaufführung zum Festival.

Wobei Fidena strenggenommen sogar schon knapp vier Wochen vor dieser Premiere einen Frühstart hinlegt: Helene Ewert und Christofer Schmidt lassen die traditionelle Parade erstmals schon weit vor dem Programmstart von der Leine. Passend zum Auftakt des 150-jährigen Stadtparkjubiläums ziehen Walking Acts und Puppen am Freitag, 24. April, unter dem Motto „Vom Unterwegssein der Tiere“ vom Husemannplatz bis zum Kunstmuseum Bochum.

Die Themen

Für das weitere Programm haben die beiden drei Themenkomplexe gesetzt: „Vom Unterwegssein der Dinge“ umfasst sieben Produktionen an unterschiedlichen Spielorten. Wer selbst gern unterwegs ist, kann am 15. Mai sechs Programmpunkte als „Binge-Watch“ hintereinander schauen, Shuttle-Service zu den unterschiedlichen Orten inklusive.

Unter das Thema „Mitmachen und Gemeinschaffen“ fallen zum Beispiel die vier Produktionen, die die erste BürgerInnenjury der Fidena ausgewählt hat. Darunter wieder ein Hingucker: „Sisypholia“ bringt einen mehr als zwei Meter großen Kleiderball ins Rollen – mitten durch die Innenstadt. Die urbane Performance soll irritieren, zum Nachdenken anregen und die Konsumwelt hinterfragen. Gemeinschaft steht auch beim neuen Format „Auf ein Bier mit Fidena“ im Fokus. Helene Ewert und Christofer Schmidt kommen auf Einladung zu Vereinen, Gruppen und Nachbarschafen, um das das Festival im kleinen Kreis vorzustellen und ins Gespräch zu kommen.

Der dritte Schwerpunkt führt „Jenseits der Grenzen“. In „fly with u“ erinnert sich eine Person, die als Gastarbeiter in die DDR kam, an eine vergangene Liebe. Mit diesem Miniatur-Objekttheater gewann Akira Schroth den von Fidena ausgerichteten Fritz-Wortelmann-Preis der Stadt Bochum. 

Solidarisches Ticketsystem

Ergänzt wird das Programm durch Inszenierungen für Kinder, Workshops, Talks, Partys und ein Kurzfilmprogramm. Tickets zu allen Veranstaltungen gibt es online – in diesem Jahr übrigens zum ersten Mal in einem solidarischen Preissystem: Gäste entscheiden selbst, welcher Ticketpreis zu ihrer finanziellen Situation passt. Die Starter-Tickets sind für Menschen mit kleinen Budgets gedacht, Fan-Tickets gibt es zum regulären Preis. Lover-Ticket-Käufer zahlen etwas mehr, und Patron-Tickets kaufen alle, die mehr haben und solidarisch teilen wollen.