Alles im Fluss: Was Fluxus und Bochum verbindet
In den 1960er Jahren geriet die Kunstwelt aus der gewohnten Bahn: Die Fluxus-Bewegung hob die Grenzen zwischen Kunst und Leben bewusst auf und zog den Schaffensprozess dem Kunstwerk vor. Bei ihrem Siegeszug von den USA in die restliche Welt machte die Bewegung auch Halt in Bochum. Vom Zusammentreffen von Fluxus und Ruhrgebiet zeugt die Schau “How we met” im Kunstmuseum Bochum.

Aus New York nach Köln, Düsseldorf, Wiesbaden – und Bochum. Als die Fluxus-Idee sich in Deutschland verbreitete, gehörte die Bochumer Galeristin Inge Baecker (1943-2021) zu den ersten, die sich dem neuen Kunstverständnis öffneten. 1970 gründete sie hier eine Galerie für Avantgarde-Kunst und schuf damit einen Nukleus für Fluxus mitten im Ruhrgebiet. Mehr als 100 Ausstellungen, Performances und Aktionen organisierte sie hier. Im Shopping Center Ruhr Park brachte sie mit den “Bochumer Kunstwochen” die Kunst ganz nah an die Menschen – die Reaktionen waren nicht immer positiv. Denn Künstler wie Allan Kaprow oder Will Frenken inszenierten heute legendäre Happenings und Kunstwerke quasi gleich neben den Sonderangeboten. Und nicht alle Flanierenden konnten sich für Kunst wie den 15 Meter hohen Reifenturm von Kaprow begeistern.
How we met
Baecker jedenfalls war es, die Kunstschaffende aus aller Welt nach Bochum holte, darunter z. B. die US-amerikanischen Künstlerinnen und Künstler Allan Kaprow, Alison Knowles und Charlotte Moorman, die in Japan geborene und erst im September verstorbene Takako Saito und den vermutlich bis heute auch international bekanntesten deutschen Fluxus-Künstler Wolf Vostell. Ihre Werke sind mit dem Nachlass Baeckers ins Kunstmuseum Bochum gekommen.

„How we met“ zeigt auf zwei Etagen, wie hier eins zum anderen kam: wie Künstlerinnen und Künstler einander, die Galeristin oder auf Ideen und Konzepte trafen. Sie präsentiert natürlich auch die Ergebnisse der Treffen: Fluxus-Kunst sowie neu geschaffene, ortsspezifische Kunstwerke zeitgenössischer Kunstschaffender und Filme von historischen Fluxus-Aktionen zeigen die Vielfalt der Ideen. Unter anderem sind z. B. Fluxus-Werke aus dem Nachlass von Mary Bauermeister, Joseph Beuys, George Brecht, Ursula Burghardt, John Cage, Giuseppe Chiari, Yoko Ono und Nam June Paik zu erleben.
So füllt sich auch der Begriff des Fluxus mit Leben. Performance, Musik, Objektkunst und Sprache wurden zu oft provokanten, spielerischen Aktionen, die den kreativen Prozess über das fertige Werk stellen. Ziel war es, Kunst für alle zugänglich zu machen und etablierte Kunstformen radikal zu hinterfragen.

Das Begleitprogramm
Zur Ausstellung findet ein umfassendes Programm statt: Ein Aktionsraum im Erdgeschoss lädt ein, Kunstwerke zu aktivieren. Der eigens konzipierte Kunstspaziergang WEWWEEEEEE zeigt Kunst aus dem Nachlass der Galeristin im Plattenladen, Café oder Secondhand Shop. Und in sieben Bochumer Geschäften und Cafés hängt Kunst von Wolf Vostell, Alison Knowles, Howard Kanovitz und Emmett Williams.
“How we met” ist noch bis zum 1. Februar 2026 im Kunstmuseum Bochum zu sehen.