Neues freies Theater in Künstlerzeche Unser Fritz
Offen, ambitioniert, professionell: Mitten im Ruhrgebiet soll in der Künstlerzeche Unser Fritz in Herne ein neues freies Theater entstehen – dort, wo schon vor 60 Jahren erste Schritte in Sachen Industriekultur unternommen wurden.

Irgendwie sei es für ihn auch eine Sache der lokalen Verbundenheit, räumt Dominik Cerne ein. Eine Bühne hat die Maschinenhalle der Zeche Unser Fritz, eine ausgebaute Infrastruktur, sogar eine Akustikdecke. Auch an Erfahrung mangelt es nicht, wagten hier doch Künstlerinnen und Künstler erste Schritte zur Neubelebung des alten Pütts bereits in Zeiten, als von Industriekultur noch niemand gehört hatte. Dass trotzdem aktuell dort nicht sehr viel passiert, hat den Schauspieler und gebürtigen Wanne-Eickeler herausgefordert. In Herne gebe es außerdem zwar das Theater Kohlenpott, das sich vornehmlich an Kinder und Jugendliche richtet, und den Mondpalast, der Volktheater macht. Was fehlt, sei ein freies Theater “mit gesellschaftlicher Relevanz”. In diese Lücke wollen Cerne und seine beiden Gründungsmitstreiter Lucien Räderscheidt und Jakob Kubisch stoßen. Ihr Ziel: Theater mit künstlerischem Anspruch, abstrakte Kunst, völlig offen, nicht auf eine Altersgruppe beschränkt.

Ein erstes Casting Ende Juni verlief “sehr erfolgreich” und scheint den Ansatz zu bestätigen, so Cerne: “Wir haben viele talentierte Menschen kennengelernt, mehr als 50 davon können wir gut gebrauchen. Für den Anfang aber werden nur vier von ihnen benötigt. Zwei weibliche, zwei männliche Darsteller sollen im Oktober mit dem ersten Stück auf der Bühne stehen.” Zwei Premieren pro Jahr, so die Hoffnung, sollen in Zukunft die Theaterszene aus dem Zentrum des Ruhrgebiets heraus bereichern.
Dass die Neugründung einer freien Bühne in Zeiten, in denen die Mittel knapper werden, nicht eben einfach werden dürfte, ist auch Cerne klar: “Ein bisschen Wahnsinn gehört dazu. Ich glaube, es ist ganz wichtig, in diesen Zeiten nicht den Kopf hängen zu lassen”. Bislang gibt es Förderzusagen von der Kulturinitiative Herne, von der Künstlerzeche selbst und auch der Mondpalast, mit dem einige aus dem neuen Kollektiv auch beruflich verbunden sind, hat seine Unterstützung zugesagt.
Um dem Ganzen zusätzlich Schwung zu verleihen, ist für den 23. August ein Benefizabend geplant. Es wird diverse künstlerische Performances und Live-DJ-Sets geben. Wer noch etwas beisteuern möchte, darf sich unter theater@kuenstlerzeche.de melden. Auch weitere Unterstützer sind unter dieser Mail-Adresse herzlich willkommen.
