Der Hartware MedienKunstVerein wird zur Kunsthalle Dortmund
Zum 30-jährigen Bestehen macht der Hartware MedienKunstVerein sich ein besonderes Geschenk: Der neue Name Kunsthalle Dortmund wird dem, wofür der Verein seit nunmehr drei Jahrzehnten steht, heute einfach besser gerecht.

„Bis heute schreibt ja niemand diesen Namen richtig. Das ist mittlerweile schon ein Running Gag“, sagt Dr. Inke Arns über den Hartware MedienKunstVerein (HMKV), dessen Direktorin sie ist. Zum 30-jährigen Bestehen schenkt der Verein sich nun einen neuen Namen. „Natürlich birgt es ein gewisses Risiko, die Marke zu ändern“, erklärt Inke Arns. „Aber es ist an der Zeit. Der Name ‚Hartware MedienKunstVerein‘ macht uns kleiner, als wir sind, und ist schwer zu kommunizieren. Kunsthalle Dortmund – da weiß jeder sofort, was das ist.“ Doch auch wenn der Name sich ändert, das Programm bleibt. Die Kunsthalle Dortmund befasst sich weiterhin kritisch mit technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie mit deren Ineinandergreifen. In großen kuratierten Ausstellungen zeigt sie auch künftig im weitesten Sinne Medienkunst. Wobei nie nur Video und Digitales gezeigt wurden, sondern unterschiedlichste künstlerische Medien, die zum jeweiligen Thema passen.
Gründung als hARTware projekte
„Ohnehin sind die Grenzen zwischen bildender und Medienkunst heute viel durchlässiger als bei der Gründung des Vereins in den 1990er-Jahren“, sagt Inke Arns. „Medienkunst ist selbstverständlich geworden – auch dank der Arbeit des HMKV.“ Sie selbst hat die Gründung damals aus dem fernen Berlin miterlebt, lernte sie Iris Dressler und Hans D. Christ doch 1996 kennen – also genau in dem Jahr, in dem diese den HMKV gründeten. Ein Jahr später eröffnete in Karlsruhe das ZKM, das Zentrum für Kunst und Medien. In Sachen Medienkunst waren Dressler und Christ mit hARTware projekte, wie der Verein damals hieß, also sehr früh dabei. Die drei Großbuchstaben „ART“ in hARTware verweisen darauf, dass es bei der Arbeit des Vereins nicht um Computer-Hardware, sondern um Medienkunst ging.

Reservate der Sehnsucht
Gegründet wurde hARTware projekte im Künstlerhaus Dortmund, wo Hans Christ damals ein Atelier hatte. Ausstellungen zeigten sie an verschiedenen Orten. Darunter „Plan B – Kunst Raum Stadt“ – ein Parcours quer durch die Backstagezonen der Dortmunder Innenstadt mit Fotografien, Videoinstallationen und Objekten von französischen Künstlerinnen und Künstlern. Ab 2001 diente ein Lagergebäude in der Güntherstraße als Ausstellungs- und Konferenzraum. Auch im Kühlturm der ehemaligen Union-Brauerei war der Verein schon lange vor dessen Umbau zum Dortmunder U unterwegs. Die Ausstellung „Reservate der Sehnsucht“ stellte 1998 die Frage: Wie wollen wir leben? Dafür räumte das hARTware-Team den gröbsten Schutt in der Ruine beiseite und bedeckte eine komplette Etage mit echtem Rollrasen. Die Gäste picknickten und spielten Boule zwischen den Kunstwerken.

Alles neu: Räume, Leitung, Name
Ab 2003 zeigte hARTware seine Ausstellungen in der PHOENIX Halle, darunter 2004 „Expanded Cinema“ vom Londoner Filmkurator Mark Webber. Im selben Jahr erreichte Inke Arns ein Anruf aus Dortmund. „Ob ich mir vorstellen könnte, hARTware zu übernehmen – sie würden an den Württembergischen Kunstverein nach Stuttgart gehen. Meine erste Reaktion: Was? Ich soll weg aus Berlin? Aber weil Hans und Iris sehr überzeugend sind, und weil ich ihre Arbeit seit 1996 kannte und immer mit großem Interesse beobachtet habe, was hARTware denn so in Dortmund macht, dachte ich mir schließlich: Okay, guckste dir mal an, machste mal ein Jahr. Wenn ich die Geschichte heute erzähle, muss ich selbst lachen.“ Eine radikale Umbenennung wagte sie noch nicht, als sie vor nunmehr 21 Jahren zunächst die Künstlerische Leitung übernahm, war der Vereinsname doch so bekannt in der Stadt. Zumindest aber wurde aus hARTware projekte hartware medien kunst verein, alle Wörter klein und auseinandergeschrieben – kurz: HMKV.

Von der PHOENIX Halle ins Dortmunder U
Im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 erfolgte der Umzug ins damals noch nicht ganz fertiggestellte Dortmunder U. Durch die zentrale Lage und den Nutzermix aus Museen, kultureller Bildung, Kino und Hochschuletage hat sich die Zahl der Besucherinnen und Besucher seitdem vervielfacht. Doch der Umzug bedeutete auch eine Verdoppelung des Programms. „In der PHOENIX Halle konnten wir nur in den wärmeren Monaten aktiv sein“, erzählt Inke Arns. „Jenseits dieser Zeit froren einem in den nicht isolierten Räumen die Füße ab.“ Doppeltes Programm bedeutet doppeltes Budget. Daher bemühte sich Inke Arns um eine institutionelle Förderung des Landes NRW, die der Kunstverein 2021 endlich bewilligt bekam. „Wenn ich die Situation hier in NRW und speziell in Dortmund vergleiche mit Berlin, empfinde ich das Commitment durch Stadt und Land hier als wirklich bemerkenswert“, sagt die HMKV-Direktorin.

Der Zeit voraus
Bemerkenswert ist auch, dass der Verein sich immer schon mit Themen befasste, die andere noch nicht auf dem Schirm hatten. 2003 etwa beschäftigte er sich unter dem Titel „404 Object Not Found“ mit der Frage: Was bleibt von der Medienkunst?, 2019 kuratierte Inke Arns die Gruppenausstellung „Der Alt-Right-Komplex“ zum Thema Alt-Right und Rechtspopulismen im Netz, 2015 und 2022 war der HMKV mit den Ausstellungen „(Artificial Intelligence) Digitale Demenz“ und „House of Mirrors: Künstliche Intelligenz als Phantasma“ einige Jahre zu früh dran, um mit dem großen KI-Hype mitzuschwimmen. „Wir hören und sehen genau hin, was Künstlerinnen und Künstler machen“, erklärt Inke Arns dieses Phänomen. „Weil sie oft sehr feine Antennen haben, was da draußen so passiert, fungieren ihre Arbeiten als eine Art Frühwarnsystem.“ So wird auch die Kunsthalle Dortmund ihrer Zeit sicher immer ein kleines Stück voraus sein. Nur die Namensänderung war längst überfällig, nicht nur für Inke Arns, die erzählt: „Als ich die beiden Gründer:innen in die Überlegungen zur Umbenennung einweihte, lachte Hans nur und sagte: Das wurde ja auch Zeit!“
