Die feminine Seite des Informel
Das Informel war auch weiblich! Den Beweis tritt eine Ausstellung im Emil Schumacher Museum Hagen an. Fast fünf Monate lang würdigt das Haus die „InformELLE“ mit rund 80 hochkarätigen Arbeiten.

© VG Bild-Kunst, Bonn KLKF / Maria Lassnig Foundation, Foto: Maria Lassnig Stiftung
Abstrakt, intuitiv, spontan – die Charakteristika des Informel sind geschlechtsneutral. Dennoch wurde den Vertreterinnen der “formlosen Kunst” in der Hochzeit der Kunstrichtung meist weniger Raum zugestanden als ihren Künstlerkollegen. Die Sonderausstellung “InformELLE Künstlerinnen der 1950er/60er-Jahre” will das ändern. Sie präsentiert Künstlerinnen, die diese abstrakte Richtung maßgeblich mitgeprägt haben. Auf dem Kunstmarkt und in Ausstellungen waren diese Künstlerinnen zwar durchaus erfolgreich, konnten aber dennoch kaum zu ihren männlichen Kollegen aufschließen. Deren Namen sind noch heute eng mit dem Informel verknüpft. Und so soll die Schau den kunsthistorischen Kanon um lang übersehene Positionen von Künstlerinnen erweitern.
Die Künstlerinnen
Gezeigt werden rund 80 hochkarätige Arbeiten von 14 Malerinnen und zwei Bildhauerinnen. Darunter sind renommierte Künstlerinnen, deren Werke international Anerkennung fanden. So zum Beispiel die Portugiesin Maria Helena Vieira, die mehrfach auf der Biennale in Venedig und der documenta in Kassel vertreten war – eine der wichtigsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts. Auch die Spanierin Juana Francés war drei Mal bei der Biennale dabei. Die Schau zeigt auch Entdeckungen wie das Frühwerk von Sarah Schumann, die sich für die feministische Kunstgeschichtsschreibung einsetzte.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto: Margot Gottschling
Roswitha Lüder steht als letzte noch lebende Vertreterin der Gruppe besonders im Rampenlicht. Anlässlich ihres 90. Geburtstags am 19. August dieses Jahres widmet ihr das Emil Schumacher Museum eine eigene Präsentation innerhalb der Ausstellung. In Kabinetten werden ihre druckgrafischen Zyklen zum Gilgamesch-Epos sowie zur Figur der Salome aus den 1950er Jahren gezeigt.
“InformELLE” ist eine Kooperation von Hessen Kassel Heritage, der Kunsthalle Schweinfurt und des Emil Schumacher Museums, in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Informelle Kunst ‒ Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn. Hagen ist nach Kassel und Schweinfurt die dritte Station der Schau.

© VG Bild-Kunst, Bonn KLKF Foto: Emil Schumacher Museum, Hagen, Joachim Schwingel
Das Informel
Die “formlose Kunst” entstand Ende der 1940er Jahre in Europa als Gegenentwurf zum bisherigen Verständnis von Kunst als Ergebnis der Arbeit mit traditionellen Formen und Kompositionen. Die Künstlerinnen und Künstler wollten sich bewusst von traditionellen Bildordnungen, festen Formen und gegenständlicher Darstellung lösen. Stattdessen betonten sie Spontaneität, Gestik, Materialität und den schöpferischen Akt selbst.
Der deutsche Künstler Emil Schumacher zählt zu den zentralen Vertretern des deutschen Informel. 1952 gründete er mit anderen Künstlern die Gruppe “Junger Westen”, die wesentlich zur Etablierung der abstrakten Kunst in der Nachkriegszeit beitrug. Das ihm gewidmete Museum in Hagen ist das einzige Museum für einen Künstler des Informel im deutschsprachigen Raum.