K3: KI-Kompetenz für die Kultur

Sperriger Name, spannendes Thema: Im Ruhrgebiet und in NRW entsteht das „K3 KI.Kunst.Kultur – NRW Kompetenznetzwerk“. Was dahintersteckt, erklärt Geschäftsführer Dr. Philipp Bojahr im kir-Interview.

Es ist das erste seiner Art in Deutschland: Das Kompetenznetzwerk K3 KI.Kunst.Kultur bringt NRW-weit 23 Institutionen aus Kultur, Hochschulen und Kulturpolitik zusammen, um Kompetenzen zu bündeln, Wissenstransfer zu ermöglichen und Kulturschaffende beim kompetenten reflektierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz unterstützen. Dazu wird es kostenfrei Fortbildungs- und Diskursformate sowie ein Fellowship-Programm geben. Die Standorte des Netzwerks sind dezentral, die Geschäftsstelle wird ihren Sitz im Ruhrgebiet haben. Deren Aufbau und Betrieb in Dortmund fördert das Land bis 2028 mit rund zwei Millionen Euro.

Herr Dr. Bojahr, wer sind die Akteure des K3?

Auf der einen Seite sehr viele Hochschulen, die im Bereich KI-Forschung arbeiten. Aber eben auch Kunst- und Musikhochschulen sowie kulturpolitische Akteure. Zudem gibt es drei Residenzorte, die für das Fellowship-Programm relevant sind. Und auch Medienlabore, die als Ausspiel- und Experimentierorte noch eine besondere Rolle spielen. 

Wichtig ist: Wir verstehen uns hier nicht als abgeschlossene Gruppe, sondern als offene Kooperationsstruktur, mit der wir noch weitere interessierte AkteurInnen anwerben wollen. 

Und was soll das Netzwerk leisten?

Unsere Funktion sehe ich darin, dass wir vor allem die Partnerinnen und Partner vernetzen, dafür sorgen, dass Wissen geteilt wird, auch interdisziplinär und gattungsübergreifend. Konkret übersetzen wir das in unsere Weiterbildungsprogramme. Ich bin nicht so vermessen zu sagen:  Wir sind dafür da, zu erklären, wie es geht. Wir sind dafür da, Leute zusammenzubringen, die wissen, wie es geht. Auf dieser landesweiten Ebene systematisch den Dialog herzustellen und das auch mit Personalstellen hinterlegt zu pflegen - genau das ist bislang neu. 

Welche Angebote wird es denn konkret geben? 

Es wird ein offenes Weiterbildungsangebot mit vornehmlich digitalen Lehrinhalten wie Tutorials, Online-Formaten und praxisnahen Vertiefungen geben. Da kann man ganz einfach und barrierearm reinschnuppern in das Thema, auch wenn es vorher gar kein Berührungspunkte damit gab. Es wird vertiefend eine KI-Akademie geben. Dazu wollen wir mit unseren Hochschulpartnern auch ein Zertifikat entwickeln. Der dritte Strang sind die so genannten KI-Fellows. Hier geben wir Personen die Möglichkeit, konkrete Projektideen im Schnittstellenbereich Kunst, Kultur und KI strukturell, ideell, organisatorisch gefördert umzusetzen. Das geht in Verbindung mit unseren drei Residenzorten: der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund, dem Kulturforum Witten und dem Center for Literature Burg Hülshoff

Und das Ruhrgebiet ist der geeignete Ort für K3, weil…?

Das liegt natürlich auch daran, dass die Stadt Dortmund dieses Projekt federführend mit auf die Beine gestellt hat. Die hiesige Akademie für Theater und Digitalität ist ja eine Einrichtung des Theaters der Stadt Dortmund. Außerdem ist gerade das Ruhrgebiet sehr stark im Bereich der Digitalisierung vertreten. Das heißt nicht, dass der Rest terra incognita ist und da nichts passiert. Wir müssen da einfach die Fühler noch etwas weiter ausstrecken und Verbindungen herstellen. Es gab vorher eben noch niemanden, der das so als Hauptaufgabe hatte. 

Gibt es denn in der Kulturszene bereits eine breite Offenheit für das Thema? Oder müssen Sie noch Überzeugungsarbeit leisten?

Natürlich wird nicht jede oder jeder diese Entwicklung ausschließlich positiv sehen. Jede technische Entwicklung bringt auch immer Risiken mit sich – mit den positiven Aspekten kommen auch immer negative.

Wir werden nicht morgen alle von KI ersetzt. Aber es wird einen Unterschied geben zwischen denen, die mit KI arbeiten können, und denen, die sie grundsätzlich ablehnen. Und genau da setzt unsere Überzeugungsarbeit an: Menschen zu motivieren, sich auseinanderzusetzen, eine Haltung zu entwickeln. Das ist eine Kernaufgabe unseres Kompetenzzentrums, Menschen dabei zu helfen. 

Die Sorge, ersetzt zu werden, kennen wir ja aus vielen Bereichen. Aber eigentlich ist KI doch vor allem ein Werkzeug, oder?

Genau. Der Begriff „KI“ ist emotional aufgeladen und bringt viel Ballast mit sich – historisch, kulturell, medial. Er weckt Bilder vom künstlichen Menschen und von Dystopien. Das macht es schwer, sachlich zu bleiben. Da trifft die Angst vor der Maschine, die mich ersetzt, auf die Realität, in der KI meine Arbeit erleichtert.

Deshalb ist es wichtig, erstmal einen Schritt zurückzutreten und klarzumachen: Es ist ein Werkzeug – mit besonderen Eigenschaften, aber ein Werkzeug. Wenn man es so versteht, kann man besser über Autonomie, Urheberschaft und kreative Praxis reden. Das ermöglicht vielleicht einen klareren Blick auf die Dinge.

Woher kommt diese Angst vor der Künstlichen Intelligenz?

Die Idee einer mechanischen, nicht-menschlichen, handlungsmächtigen Intelligenz, die uns unheimlich ist, findet man schon im 19. Jahrhundert – da könnte man bis E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“ zurückgehen. Wir haben Angst vor Dingen, die wir nicht kennen, sie wirken bedrohlich. Und was könnte bedrohlicher sein als etwas, das genauso intelligent, genauso handlungsmächtig ist wie wir – aber nicht menschlich?

Außerdem: Wir sind alle mediensozialisiert, und die Popkultur der letzten 50 Jahre hat das Bild verstärkt: Westworld, Terminator, Ex Machina – die dystopische Perspektive dominiert klar. Wir im Kulturbereich haben das selbst reproduziert. Deshalb ist es wichtig, KI nicht mehr nur als Thema der künstlerischen Auseinandersetzung zu betrachten, sondern mehr als Werkzeug zu verstehen. Beides hat Platz – aber die Werkzeugperspektive ist unterentwickelt und muss gestärkt werden.