Literatur-Oasen
Kapitel Zwei − aus Liebe zu Büchern
Darüber, dass ihre Buchhandlung in diesem Jahr den Preis des Deutschen Buchhandels gewonnen hat, freuen sich die Inhaberinnen von „Kapitel Zwei“ in Recklinghausen wahnsinnig. Aber auch unabhängig vom Preis ist ihnen die Arbeit eine große Freude.

Als die Buchhandlung Musial 2022 infolge der Corona-Pandemie schließen musste, war nicht nur die Kundschaft traurig. Die Mitarbeiterinnen Julia Kortenjann und Regina Schwan wussten: „Der Arbeitsplatz ist so schön, den wollten wir nicht verlieren.“ Kurzentschlossen eröffneten die beiden im freigewordenen Ladenlokal in einem der ältesten Gebäude der Recklinghäuser Innenstadt eine neue Buchhandlung. Mit dem passenden Namen „Kapitel Zwei“. Ein Name, der sagt: Mit der Insolvenz der Buchhandlung Musial ist die Geschichte noch längst nicht vorbei.
Sie kennen sich mit Büchern aus
Für Regina Schwan hat der Name doppelte Bedeutung. Es ist die zweite Buchhandlung, die sie führt. Zwar hatte die gelernte Buchhändlerin sich zwischenzeitlich bewusst für eine Anstellung entschieden, dass sie nun doch wieder Inhaberin ist, hat sie aber keinen Tag bereut. Auch Julia Kortenjann ist schon lange im Buchhandel tätig. Überhaupt kennt sie sich mit Büchern aus, arbeitete vorher viele Jahre im Verlagswesen, auch im Münchner Hanser Verlag. Und natürlich ist es vor allem die Liebe zu den Büchern, die die beiden Frauen antreibt. „Ich hab schon als Kind gern gelesen“, erklärt Regina Schwan, die ihr Germanistik-Studium zugunsten der Lehre abbrach. „Wenn man gerne liest und mit Menschen zu tun hat, ist der Buchhandel das perfekte Betätigungsfeld.“

Ein „literarisches Quartett“
Insgesamt arbeiten sie bei „Kapitel Zwei“ als Viererteam. Die eine Kollegin, Gabriele Müller-Wolf, war Rechtspflegerin und wechselte im Ruhestand einfach die Seiten: von der Kundin zur Mitarbeiterin. Der ehemalige Vierte im Bunde, Philipp Schneider, arbeitete eine Weile neben dem Studium im „Kapitel Zwei“. Seine Nachfolgerin Ilka Schwärtzke-Schönberg tauchte just im richtigen Augenblick auf. Damals noch in einer anderen Buchhandlung tätig, kam sie als Kundin ins „Kapitel Zwei“. „Wir kamen ins Gespräch“, erinnert sich Regina Schwan. „Irgendwann fragte Ilka: Sie suchen nicht zufällig noch jemanden? Da schauten Julia und ich uns an und sagten: Doch! Ab Oktober!“
Literatur-Oasen
In unregelmäßigen Abständen stellen wir besondere Buchhandlungen im Ruhrgebiet vor – kleine Oasen, die mehr sind als ein Verkaufsraum. Im Fokus stehen die Menschen, die diesen Orten eine Seele geben. Durch ihr Herzblut, ihre Ideen, ihre Begeisterung fürs Lesen. Ob Kult-Läden und Geheimtipps, versteckte Kleinode oder Stars der Einkaufsstraße, junge Wilde oder alte Hasen – wir finden sie. Anregungen sind uns immer willkommen: redaktion.kir@rvr.ruhr