Offen für Begegnungen: Klavier-Festival Ruhr feiert die musikalische Vielfalt
Seit mehr als 35 Jahren zieht das Klavier Festival Ruhr immer neue Saiten auf: mal klassisch, mal modern, experimentell, elektronisch oder episch. Eines ist das mittlerweile größte Festival für Klaviermusik weltweit dabei stets: offen für Neues. Dafür steht auch die dritte Spielzeit von Festivalleiterin Katrin Zagrosek vom 7. Mai bis 21. Juli.

In diesem Jahr hat das Programm einmal mehr zugelegt: 72 Konzerte in 17 Städten sind angekündigt. Dabei pendelt das Festival in der Region von West nach Ost und Norden nach Süden, mit dem Fokus auf dem Ruhrgebiet. Denn hier liegt der Ursprung der international renommierten Reihe, die 1989 vom Initiativkreis Ruhr – bis heute Hauptsponsor – mitten im Revier gegründet wurde.
Die Mischung macht‘s
Natürlich greift auch 2026 wieder die Starriege des Klavierspiels in die Tasten, darunter Jazz-Pianist Grigory Sokolov, Perfektionist Krystian Zimerman, Piano-Star Lang Lang, Pianistin und Professorin Anna Vinnitskaya, Wiener Klassik-Meisterin Imogen Cooper, “Rising Star” Mariam Batsashvili und Publikumsliebling Igor Levit. In Sachen Superlative legt das Klavier Festival die eigene Messlatte gewohnt hoch an, hochkarätige Konzerte aller Sparten füllen das Programm.

Daneben ist aber vor allem eines wichtig: Begegnung. Erstmals gibt es eine feste Residenz im Salzlager des Welterbes Zollverein in Essen, ein Raum für Begegnung und Austausch, begleitet von klassische Rezitalen, Jazz, neuen elektronische Sounds, Werkstattgesprächen und kulinarischen Genüssen.
Katrin Zagrosek setzt auf Vielfalt
Festivalleiterin Katrin Zagrosek ist die Frau hinter diesem Leitmotiv des Klavier Festival Ruhr. Kir sprach mit ihr über Weichenstellungen, neue Formate und Begegnungen.

Die diesjährige Ausgabe ist die dritte unter Ihrer Intendanz. Sind damit die Weichen für die Zukunft gestellt?
Bei einem Festival dieser Größe und dieses Anspruchs sind die Weichen nie gestellt. Um im Bild zu bleiben: Wir legen jedes Jahr neue Schienen, bauen Brücken, sprengen Tunnel, legen Bahndämme an, kurz: Wir müssen Pioniere bleiben, die neues Land entdecken. Das gilt natürlich vor allem für die Künstler und ihre Programme, aber das gilt auch für das Festival insgesamt.
Das Klavier-Festival Ruhr steht in jeder Hinsicht gut da, aber es wird nie so sein, dass wir ruhig in der Lokomotive sitzen und ab und zu ein paar Kohlen nachschaufeln. Das wäre auch zu langweilig – für uns, die Künstler und das Publikum.
Das Programm hält einige neue Formate bereit. Ist das eine Art Frischzellenkur mit modernen Präsentationen für das Festival?
Kunst lebt davon, Neues zu wagen und frische Ideen einzubringen. Das gilt auch für das Klavier-Festival Ruhr, das immer schon ein sehr lebendiges Festival war. Wir suchen immer neue Künstler, neue Spielorte, neue Programme und neue Formate.
In meinem ersten Jahr als Intendantin haben wir beispielsweise die Reihe “Klavier & Elektronik” aus der Taufe gehoben. Sie wird sehr gut angenommen und spricht ein junges Publikum an. In diesem Jahr schaffen wir mit der “Residenz im Salzlager” auf Zollverein eine ganz eigene Musikwelt nach unseren Vorstellungen: ein außergewöhnlicher Spielort, besondere kulinarische Angebote, Werkstattgespräche mit den Künstlern und natürlich spannende Musikprogramme, die die Pianisten mit uns und den Musikfreunden der Region teilen.
Wie setzt sich das bisherige Publikum zusammen und wie soll die Zielgruppe verändert oder erweitert werden?
Das Publikum bei unseren Konzerten ist so gemischt wie das Festival selbst. Wir sprechen das klassische Kulturpublikum an, bieten aber auch Möglichkeiten, um bei elektronischen Beats abzutanzen, beim Jazz mitzuschnippen oder – in diesem Jahr zum ersten Mal – seinen liebsten Klavier Influencer zu erleben. Mit unseren Education-Konzerten in Duisburg-Marxloh oder im Bochumer Norden ziehen wir auch Menschen an, die ansonsten vielleicht wenige Berührungspunkte zu großen Kulturveranstaltungen haben. Als Festival hier im Ruhrgebiet muss das auch unser Anspruch sein: Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen zusammenzuführen, Barrieren abzubauen und Begegnungen sowie Gespräche zu ermöglichen.
Letztlich sind wir an dieser Stelle gierig: Klaviermusik ist toll. Wir wollen einfach alle Menschen dafür begeistern.
Infos
Das findet in diesem Jahr vom 7. Mai bis 21. Juli statt. Eröffnet wird es am 7. Mai im Konzerthaus Dortmund von Yulianna Avdeeva gemeinsam mit dem WDR Sinfonieorchester. Generalsponsor ist der Initiativkreis Ruhr. Als Hauptsponsoren engagieren sich der Regionalverband Ruhr, die Duisburger Hafen AG und die NRW.BANK.
Tickets gibt es hier.
Kir hat die Termine hier zusammengestellt.