25 Jahre ZFIL: Neue Perspektiven auf das Licht
Das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen mit Sonderschauen, neuen Installationen und Events. Höhepunkt des Jahres wird die Jubiläumsausstellung „Light Dialogues“ sein, die sich ab dem 13. Juni dem Dialog zwischen Licht, Raum und Wahrnehmung widmet.

Foto: Frank Vinken
Das Zentrum für Internationale Lichtkunst (ZFIL) Unna in den unterirdischen Gewölben der ehemaligen Lindenbrauerei kann im Jahr 2026 sein 25-jähriges Jubiläum feiern. Es ist das weltweit einzige Museum, das sich ausschließlich der Lichtkunst widmet. Auf einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern hat das Haus seit 2001 neben Dauerausstellungen mehr als 30 Themenschauen mit raumgreifenden Arbeiten zur zeitgenössischen internationalen Lichtkunst gezeigt, darunter Werke weltweit renommierter Künstler wie Rebecca Horn, François Morellet, Keith Sonnier, Olafur Eliasson oder James Turrell. Viele der Lichtinstallationen wurden eigens für die Räume vor Ort geschaffen und sind in ihrem ästhetischen wie technischen Auftritt individuell auf diesen Ort zugeschnitten.

Foto: Frank Vinken
Die Förderung junger Talente kommt im ZFIL ebenfalls nicht zu kurz. Die Begegnung zwischen avantgardistischer Lichtkunst und historischem Gewölbekeller schafft so eine unverwechselbare Atmosphäre und macht nicht zuletzt den besonderen Charme des Ortes aus. In diesem Sinne besitzt die Sammlung in der ehemaligen Lindenbrauerei sicherlich Modellcharakter.
Lichtkunst als Publikumsmagnet
Mit kontinuierlich hoher Resonanz hat sich das ZFIL als zentraler Anlaufpunkt für Lichtkunst in Deutschland etabliert. Im Jahr 2025 verzeichnete das Haus über 25.000 Besucherinnen und Besucher. Dennoch gilt das Museum für viele nach wie vor als ein Geheimtipp. Die anhaltend positiven Rückmeldungen unterstreichen derweil die starke Resonanz beim Publikum vor Ort. „Lichtkunst ist ein Medium, das sich ständig verändert – und genau darin liegt ihre besondere Kraft: Sie wird nie langweilig, geht direkt ins Herz und weckt unmittelbare Emotionen“, betont John Jaspers, der das Zentrum für Internationale Lichtkunst seit 2014 als Direktor leitet. Ihm selbst wird die Lichtkunst auch nicht langweilig: Zu Jahresbeginn hat der 66-jährige Niederländer seinen Vertrag als Direktor verlängert. „Seit 25 Jahren widmen wir uns im Zentrum für Internationale Lichtkunst dieser Kunstform aus internationalen Perspektiven, in thematischen Ausstellungen und mit integrativen Vermittlungsformaten. Das Jubiläum ist für uns eine Einladung, diesen Weg neugierig, offen und im Austausch fortzusetzen und unsere Begeisterung für Lichtkunst mit dem Publikum zu teilen.“ Wir sind gespannt.

Foto: Frank Vinken

Foto: Frank Vinken
Das Licht im Fokus
Den Auftakt des Jubiläumsprogramms bildeten im Februar die Eröffnung der interaktiven Rauminstallation „Ripples“ der Künstlerin und Komponistin Claudia Robles-Angel und ein gut besuchter Tag der offenen Tür mit kreativen Aktionen, Gesprächen zur Geschichte des Hauses und Livemusik. Jetzt steuert das ZFIL auf die zentrale Jubiläumsausstellung zu: Die Schau „Light Dialogues“, die vom 13. Juni 2026 bis zum 10. Januar 2027 zu sehen ist, konzentriert sich auf das zentrale Medium des Hauses, das Licht selbst. Es geht um die gestalterischen und technischen Mittel, mit denen Künstlerinnen und Künstler Licht einsetzen und um die Wirkung und Atmosphäre, die sie mit Hilfe des Lichtes schaffen. Dabei steht immer auch die Wahrnehmung im Fokus, der Dialog zwischen Licht und Raum, aber auch der Austausch zwischen unterschiedlichen künstlerischen Positionen und institutionellen Perspektiven. In Kooperation mit dem SCHAUWERK Sindelfingen versammelt die Ausstellung Werke von John M. Armleder (CH), Martin Creed (GB), Tracey Emin (GB), Dan Flavin (US), Jeppe Hein (DK), Lori Hersberger (CH), Astrid Klein (DE), Brigitte Kowanz (AT), François Morellet (FR), Keith Sonnier (US) und Maurizio Nannucci (IT). Letzterer wird zur Eröffnung erwartet und ist mit fünf großformatigen Arbeiten in der Schau vertreten.
Drei Strategien im Umgang mit dem Licht
In drei thematischen Schwerpunkten zeigt die Ausstellung, wie Licht Form und Raum verändert, wie farbiges Licht Wahrnehmung und Stimmung beeinflusst und wie leuchtende Schrift Bedeutung generiert. Der Themenbereich „Form“ konzentriert sich auf Licht als strukturierendes Element. Die ausgestellten Werke betonen mit der Reduktion auf ausschließlich weißes Licht die formale Erscheinung und lenken die Wahrnehmung auf Linienführung, Geometrie und räumliche Beziehungen. Ohne die Ablenkung durch Farbreize treten Rhythmus, Kontur und architektonische Bezüge in den Vordergrund. Im Themenbereich „Farbe“ herrscht derweil Vielfarbigkeit: Ein breites chromatisches Spektrum entfaltet sich, in dem Künstlerinnen und Künstler die Farbe des Lichts gezielt einsetzen, um Kontraste, Übergänge und Harmonien zu erzeugen. Durch den bewussten Umgang mit Licht und Farbe schaffen sie Stimmungen, wecken Emotionen und lenken die Wahrnehmung der Betrachtenden.

Foto: Frank Kleinbach

Foto: Frank Kleinbach
Im größten Ausstellungsraum verdichten sich sprachliche „Zeichen“ und visuelle Ebenen. Die großformatigen Neonarbeiten von Maurizio Nannucci strukturieren den Raum zwischen den sieben Meter hohen Pfeilern als Abfolge von Aussagen und Gegenbehauptungen. Fünf unterschiedlich farbige Statements wie WHAT TO SEE WHAT NOT TO SEE oder WHAT TO LOVE WHAT NOT TO LOVE mit jeweils über drei Metern Höhe fügen sich in den monumentalen Raum und eröffnen ein Spannungsfeld zwischen Entscheidung und Ambivalenz. Licht fungiert hier als Medium, das Bedeutung nicht festschreibt, sondern in Bewegung hält.

© VG-Bild Kunst, Bonn 2026
Foto: Frank Kleinbach
Begegnung zweier Sammlungen: Dialog als Prinzip
Die Jubiläumsausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem SCHAUWERK Sindelfingen und der Sammlung Schaufler. Die Leihgaben treten in einen Dialog mit den Räumen des ZFIL sowie im Rahmen von Führungen auch mit der Sammlung des Museums. Der Titel „Light Dialogues“ verweist auf ein vielschichtiges Beziehungsgefüge: zwischen den Werken, zwischen zwei Institutionen sowie zwischen Kunst, Raum und Betrachtenden. In der Auseinandersetzung mit den Werken werden Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Zusammenhänge deutlich, die den Dialog für die Betrachtenden öffnen und so den Austausch der Werke über die Schwerpunkte hinaus weiter anregen. Anders als frühere Präsentationen, die häufig auf Rauminstallationen fokussierten, setzt diese Ausstellung bewusst auf Verdichtung. Die unmittelbare Begegnung mehrerer Werke macht Licht nicht als isoliertes Phänomen, sondern als relationales Medium erfahrbar, das sich besonders im Zusammenspiel entfaltet.
Nach der Ausstellungseröffnung am 12. Juni 2026 ist die Schau „Light Dialogues“ vom 13. Juni 2026 bis zum 10. Januar 2027 im ZFIL am Lindenplatz zu sehen. Das Museum wird im Rahmen von Führungen besucht. Besucherinnen und Besucher können dabei zwischen unterschiedlichen Formaten wählen.