Literaturpreis Ruhr für Çiğdem Akyol

Zwei Autorinnen, ein Autor, drei Preise und starke, emotionale Literatur aus dem Ruhrgebiet – das ist der Literaturpreis Ruhr 2025. Haupt-, Förder- und Ehrenpreis wurden im Duisburger Lehmbruck Museum verliehen.

Der diesjährige Literaturpreis Ruhr – die wichtigste Auszeichnung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Ruhrgebiet – ist weiblich: Die Shortlist für den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis nominierte ausschließlich Autorinnen, die letztlich ausgezeichneten Werke befassen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Frauen, genauer: mit der Geschichte von Müttern. Und auch der Förderpreis ging an eine Autorin. Die Preisträgerinnen: die Journalistin und Autorin Çiğdem Akyol mit ihrem Roman "Geliebte Mutter – Canım Annem" (Hauptpreis) und Nachwuchsautorin Julia Regnath für ihren Text “Erosion”. Einzig der Ehrenpreis ging an einen Mann: Artur Nickel, Literaturvermittler und Autor, erhielt ihn für seine besonderen Verdienste um die Literatur im Ruhrgebiet. 

Den Hauptpreis übergab Garrelt Duin, RVR-Regionaldirektor: "Das Ruhrgebiet hat viel zu erzählen. Das spiegelt sich in den zahlreichen Romanen, Gedichten oder Theaterstücken über die Region wider. Und das Ruhrgebiet ist vor allem ein Raum, aus dem Kreativität erwächst und sich entfalten kann." Der Regionalverband Ruhr vergibt des Literaturpreis Ruhr seit 1986 jährlich, das Literaturbüro Ruhr betreut ihn organisatorisch und konzeptionell. Der Preis ist die wichtigste ideelle wie materielle Auszeichnung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Autorinnen und Autoren von außerhalb, die über die Region schreiben.

Die Preisträgerinnen

Çiğdem Akyol ist “eine von hier” - geboren und aufgewachsen in Herne. Und hier spielt auch der Debütroman der Journalistin. In “Geliebte Mutter – Canım Annem” erzählt Çiğdem Akyol unerschrocken und sprachlich virtuos von einer Familie zwischen Istanbul und Herne, von einer unglücklichen Ehe, enttäuschten Hoffnungen in Almanya und viel Gewalt, aber auch von unbedingtem Freiheitswillen und Aufstieg durch Bildung. Der Roman habe “einen enormen emotionalen Glutkern”, lobte die Jury: "Ein herausragendes Debüt, stilistisch überzeugend und gesellschaftlich relevant." Çiğdem Akyol lebt in Zürich.

Julia Regnath, geboren in Berlin, lebt und schreibt im Ruhrgebiet. Die User-Experience-Strategin in der Softwareentwicklung einer Versicherung hat bisher ausschließlich Kurzprosa und Lyrik, 2024 gewann sie dafür den Dortmunder Les.Art-Preis für junge Literatur. Ein Roman ist aber in Arbeit, verriet sie bei der Preisverleihung. Ihr nur drei Seiten langer Text “Erosion” erzählt dicht und kompakt von Tod, Verlust, Trauer, Erinnerung, aber auch von Wut und Enttäuschung. Auslöser ist die Heimkehr in das verlassene und vernachlässigte Haus der verstorbenen Mutter der Ich-Erzählerin.

Ehrenpreis für Artur Nickel

Nickel – Autor, Literaturvermittler und pensionierter Deutsch- und Religionslehrer – ist Gründer der „Essener Autor:innenschule“, in der Jugendliche mit Autorinnen und Autoren Texte produzierten und bis zum Buchdruck begleiteten. Seit mehr als 20 Jahren gibt Nickel zudem die „Essener Anthologien“ heraus, und hat damit inzwischen mehr als 2.000 Kinder und Jugendliche zum Schreiben gebracht. Weitere Schreibprojekte richten sich an ukrainische Jugendliche oder arabische Frauen. 

Alle Informationen zum Literaturpreis Ruhr 2025 stehen hier und hier.