Zwischen Doppelbock und Buchdeckel − 10 Jahre lit.RUHR
Literatur trifft Ruhrgebiet: Zum zehnten Mal bringt die lit.RUHR große Namen, kontroverse Debatten und jede Menge Geschichten ins Ruhrgebiet. Vom 7. bis 11. Oktober wird in Essen, Bochum, Gelsenkirchen, Oberhausen, Dortmund und Hagen gelesen, diskutiert, gelacht – und natürlich auch gefeiert.

Gestartet als „kleine Schwester der lit.COLOGNE“, hier wie dort ein wenig misstrauisch beäugt, hat sich die lit.RUHR in den vergangenen Jahren Respekt erarbeitet. Mit mehr als 700 Veranstaltungen rund um das geschriebene Wort hat das Festival seitdem im Ruhrgebiet Orte mit besonderer Geschichte bespielt, rechnet Festivalleiter Tobias Brock bei der Vorstellung des diesjährigen Programms vor. Und mit der diesjährigen Ausgabe kommen weitere 69 hinzu, mehr als die Hälfte davon im Kinder- und Jugendprogramm lit.kid.RUHR. Namhafte Autorinnen und Autoren und bekannte Stimmen waren zu Gast, oft mehrmals. Nicht wenige von ihnen finden sich auch im diesjährigen Programm.

Auch in diesem Jahr will das Festival außergewöhnliche Literaturmomente an besonderen Orten schaffen: Da gibt es Literatur unterm Doppelbock, Musik im ehemaligen Schwimmbad oder Partystimmung im Kino. Festivalzentrum ist wieder das Welterbe Zollverein, der Auftakt wird aber in der Lichtburg Essen gefeiert: Bereits am Montag, 5. Oktober, ruft die lit.RUHR hier zu "Jubel und Radau, Literatur und Rambazamba" auf. Zum Geburtstagsfest lesen Schauspielerin Katharina Thalbach und Schauspieler Sabin Tambrea passenderweise Texte über Feste, bei denen Hemmungen schwinden und Grenzen fallen – unterstützt von Special Guest Fritz Eckenga, Songwriter Betterov und Moderatorin Katty Salié.
Von Literarische Heiterkeit bis zum gesellschaftlichen Diskurs
Heiter wird es auch mit dem Generationen-Trio der Thalbachs (Anna, Nellie und Katharina Thalbach), die mit Verve, Humor und leichten Bridgerton-Vibes aus dem historischen Roman „Die widerspenstige Witwe“ von Georgette Heyer (1902–1974) lesen (8. Oktober, Messe Essen). Kabarettist Kai Magnus Sting konstatiert „Das Genie steckt fest“ und holt sich Hilfe bei Comedian Bastian Pastewka (10. Oktober, UNESCO-Welterbe Zollverein) und fast zeitgleich staunen ebenfalls auf Zollverein die Schauspieler Dietmar Bär, Anna Schudt und Thomas Böhm „Watt? Die waren alle ma hier?“ über berühmte und weniger berühmte Gäste des Ruhrgebiets quer durch die Geschichte.

Aber Literatur ist natürlich mehr als Unterhaltung. Das spiegelt sich auch im Programm wider, mit Themen, die zu Diskursen anregen: Klimakrise, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Erinnerungskultur, politische Polarisierung, Herkunft und die Frage, wie wir miteinander leben wollen. Schauspieler Matthias Brandt, Sohn von Willy Brandt, spricht mit Ruth Hoffmann angesichts der politischen Lage über Widerstand in der Geschichte und persönliche Verantwortung heute (9. Oktober, UNESCO-Welterbe Zollverein), der ehemalige Vizekanzler Robert Habeck stellt sein Buch "Arctic Meltdown" vor (10. Oktober, Zollverein). Und die Publizistin Carolin Emcke fragt: „Was zählt ein Mensch?“ Themen, die weit über die Literatur hinausweisen: Klimakrise, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Erinnerungskultur, politische Polarisierung, Herkunft und die Frage, wie wir miteinander leben wollen.

Die Reihe „Nachbarschaft im Revier – die andere Seite der Maloche“ widmet sich dem besonderen sozialen Gefüge der Region. Unter anderem spricht Ruhrgebiets-Autor Frank Goosen mit Büdchenbesitzerin Verena-Kristina Kirchberg über Trinkhallen und Kneipen als Orte der Begegnung. Und schließlich nimmt das umfangreiche Kinder- und Jugendprogramm lit.kid.RUHR das junge Publikum aller Altersstufen in den Fokus. Besonders eng mit dem Ruhrgebiet verbunden ist das KlasseBuch-Programm: Schulklassen aus der gesamten Region können kostenlos Autor:innen treffen und mit ihnen diskutieren. In diesem Jahr gibt es diese Angebote erstmals auch in Hagen und Dortmund. Mit #lassmalesen werden Schülerinnen und Schüler außerdem selbst zu Veranstalter:innen: Sie bereiten Lesungen vor und bringen sie gemeinsam mit Autor:innen auf die Bühne.