100 KünstlerInnen für die Manifesta 16 Ruhr

Mehr als 100 Kunstschaffende, zwölf ehemalige Kirchenräume, vier Ruhrgebietsstädte: Die Manifesta 16 Ruhr macht die Region vom 21. Juni bis zum 4. Oktober 2026 zum Hotspot der Kultur in Europa. Am 20. Juni feiert die Biennale auf dem UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein Eröffnung.

Die renommierte Europäische Nomadische Biennale rückt eine der oft zitierten Kerntugenden des Ruhrgebiets in den Fokus: das Miteinander, den Zusammenhalt. Dafür bespielt und reaktiviert sie umgewidmete Kirchenräume in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen. Erstmals in der 30-jährigen Geschichte der in Rotterdam entstandenen Biennale wird der Zugang zu allen Angeboten der Manifesta kostenfrei sein.

64 Auftragsarbeiten für die Manifesta

Sogenannte Creative Mediators − quasi Kuratoren mit erweiterten Aufgaben − haben in generationsübergreifenden Tandems mit Unterstützung von Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen ganz individuelle Ansätze und Programme für die zwölf Kirchen entwickelt. Mehr als 100 Kunstschaffende und Kreative aus 33 Ländern beteiligen sich, 64 Auftragsarbeiten entstehen für die ehemals sakralen Räume. Darunter ist zum Beispiel die Skulptur „Birkenkreuz“, die die international bekannte Bildhauerin Katharina Fritsch für die Marienkirche in Essen-Karnap entwickelt. Zuletzt hatte Fritsch mit ihrer Skulptur „Hahn und Podest“ von sich reden gemacht, die das Museum Folkwang für seine Sammlung erworben hat.

Die Migrationsgeschichte von Frauen im Ruhrgebiet stellt Gürsoy Doğtaş – Teil des Creative Mediator-Teams – in der Thomaskirche in Gelsenkirchen in den Mittelpunkt. Einen Part dabei wird die Geschichte seiner Mutter ausmachen, weitere Erfahrungen sollen im Laufe der Manifesta hinzukommen.

In der Duisburger Liebfrauenkirchen dagegen geht es um eines der Kernthemen der Manifesta: das Zusammenkommen. Der britisch-iranische Künstler Abbas Zahedi konzipiert ein interaktives Kunstwerk rund um die große schwarze Orgel der Kirche. Das Kunstwerk soll im Lauf der Biennale zum Ort des gemeinsamen Hörens, zum Treffpunkt, werden.

Auf der Liste der Teilnehmenden finden sich weitere bekannte Namen wie der der im Libanon geborenen Künstlerin Mona Hatoum, deren Werke sich u. a. im Pariser Centre Georges Pompidou, im britischen Tate Museum oder im Museum of Modern Art in New York finden. Auch Alicija Kwade, der polnische Maler Wilhelm Sasnal oder auch der Belgier Luc Tuymans, der als einer der einflussreichsten lebenden Maler gilt, steuern Werke bei.

This is not a church

Daneben gibt es ein zweite Programmsäule, für die Künstlerinnen und Künstler, Nachbarn und lokale Initiativen unter dem Manifesta 16-Motto „This is not a church“ ((https://manifesta16.org/de/news/manifesta-ruhr-gibt-ausgewahlte-open-call-projekte-bekannt)) Projekte entwickelt haben. 217 Ideen waren im Open Call beim Manifesta-Team eingegangen, 16 Projekte werden nach dem Votum der internationalen Jury ab Mitte des Jahres in zehn Ruhrgebietsstädten realisiert.  Neben den vier Gastgeberstädten sind auch Dortmund, Herne, Mülheim an der Ruhr, Marl, Bottrop und Oberhausen vertreten.

Begegnung ist das Kernthema der Manifesta 16 Ruhr – im Kleinen wie im Großen. Interdisziplinär, generationenübergreifend, kommunikativ soll das Programm sein und so auch auf die Bedeutung und die Notwendigkeit der Gemeinschaft auf europäischer Ebene verweisen. Dazu trägt ein Bildungs- und Vermittlungsprogramm mit geführten Touren, Programmen für Schulen und Nachbarschaften und Familien bei. Die Brücke zur jüngeren Generation schlägt zudem das Programm „Youth Shift“, eine Art Jugendbeirat der Manifesta, das das Programm kritisch begleitet.

Die Manifesta im Ruhrgebiet

Die Manifesta ist eine europäische Biennale für künstlerische Projekte, urbane Experimente und architektonische Interventionen an wechselnden Orten. Sie zählt zu den weltweit bedeutendsten Kulturveranstaltungen dieser Art, weil sie nicht nur Ausstellungen zeigt, sondern künstlerische Forschung, urbane Experimente und gesellschaftliche Fragen in den Mittelpunkt stellt. Jede Ausgabe entsteht im Dialog mit der gastgebenden Region und mit internationalen Kunstschaffenden und Denkern.

Warm-Up-Programm für alle

Die International Foundation Manifesta (IFM), der Regionalverband Ruhr (RVR) und das NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft sind die Initiatoren der Manifesta 16 Ruhr. Das Warm-up-Programm der Ruhrgebietsausgabe läuft bereits, Termine stehen hier. Es gibt Mitmach-Angebote, Workshops und Gespräche für alle Interessierten. Das offizielle Programm startet mit der Eröffnung am 20. Juni auf dem Welterbe Zollverein.