Über Menschen und Verhältnisse: 100 Jahre Max von der Grün
Am 25. Mai 2026 wäre Max von der Grün 100 Jahre alt geworden. Grund genug für die Fritz-Hüser-Gesellschaft, an Leben und Werk des Schriftstellers zu erinnern.

Auch wenn Max von der Grün vor 100 Jahren geboren wurde: Viele seiner Themen haben wieder an Bedeutung gewonnen oder nie an Aktualität verloren. Sei es der Nationalsozialismus, den er im autobiografischen “Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich” thematisierte, seien es die Auswüchse von Leistungsdenken und Konsumgesellschaft in “Irrlicht und Feuer” oder der Umgang mit Behinderung im 1976 erschienenen Jugendroman “Vorstadtkrokodile” – der in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch heute noch als Schullektüre gelesen wird.

“Er war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sicher der bekannteste deutschsprachige Autor, den die Stadt Dortmund hervorgebracht hat”, sagt Hanneliese Palm, Beirätin der Dortmunder Fritz Hüser Gesellschaft. Hanneliese Palm, Volker Zaib, ebenfalls im Beirat der Gesellschaft, und der Dortmunder Flusspoet Thorsten Trelenberg haben vor über einem Jahr gemeinsam begonnen, eine Jubiläumsveranstaltung anlässlich Max von der Grüns rundem Geburtstag zu planen – und nicht geahnt, auf wie viel Resonanz sie stoßen würden. Schnell fanden sich diverse Partner, die den Jubilar ebenfalls ehren wollen.
Breites Veranstaltungsprogramm
Entstanden ist ein breites Veranstaltungsprogramm. Ab dem 11. März wird in der Stadt- und Landesbibliothek, passenderweise am Max-von-der-Grün-Platz 1–3, die Ausstellung „Über Menschen und Verhältnisse – 100 Jahre Max von der Grün“ zu sehen sein. “Wir haben elf Vitrinen mit Exponaten bestückt”, berichtet Hanneliese Palm. “Zu sehen gibt es Schlaglichter aus Leben und Werk. Zum Beispiel haben wir versucht, aus jeder Sprache, in die seine Bücher übersetzt wurden, ein Werk zu zeigen.” Und das sind viele. Gelesen und – kontrovers – diskutiert wurde der in Bayreuth geborene von der Grün, für den Dortmund Heimat war, nämlich sowohl im In- wie im Ausland.
Das Herz der Veranstaltungsreihe bildet eine Jubiläumsmatinee am 15. März, ebenfalls in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. In einer Gesprächsrunde werden unter anderem Rita von der Grün, Tochter des Schriftstellers, und Autorin Jutta Richter, deren Familie mit der von Max von der Grün befreundet war, zu Wort kommen. Bereits zwei Tage vorher, am 13. März, beleuchtet eine wissenschaftliche Tagung sein Werk hinsichtlich diverser Aspekte wie dem Arbeiterkampf und der Rolle der Frau. Organisiert wird die Tagung vom Fritz-Hüser-Institut, das den literarischen Nachlass von der Grüns verwaltet, gemeinsam mit einem DFG-Graduiertenkolleg der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Viele weitere Veranstaltungen runden das Programm ab, darunter Lesungen aus Texten von der Grüns und Vorführungen der Verfilmungen seiner Werke im Kino im Dortmunder U.

Aus der Koordination der Veranstaltungen ist für Hanneliese Palm ein ehrenamtlicher Fulltime-Job geworden. Persönlich getroffen hat sie Max von der Grün tatsächlich auch einmal selbst. In ihrer Zeit als Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts nahm sie seinen Nachlass entgegen, den Max von der Grün dem Institut schon zu Lebzeiten vermachte.
Zur Person: Max von der Grün
Max von der Grün wurde 1926 im bayrischen Bayreuth geboren. Nach Kriegsgefangenschaft und dreijährigem Aufenthalt in den USA zog er zu Beginn der 1950er Jahre ins Ruhrgebiet, um im Bergbau zu arbeiten. Die Veröffentlichung seines zweiten Romans “Irrlicht und Feuer”, der die Arbeitsbedingungen anprangerte, brachte ihn in Konflikt mit der Bergbaugesellschaft und auch den Gewerkschaften – er wurde fristlos gekündigt. Er begann, hauptberuflich zu schreiben.
Im Laufe seines Schaffens wurde der Wahl-Dortmunder mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis (1981), dem Gerrit-Engelke-Literatur-Preis (1985), dem Literaturpreis Ruhrgebiet (1988) und dem Verdienstorden des Landes NRW (1991).
Max von der Grün starb am 7. April 2005 in Dortmund.