Megha Kono-Patel will das Ruhrgebiet in seiner Vielstimmigkeit zeigen
Mit Megha Kono-Patel will Interkultur Ruhr die Projektarbeit für Vielfalt von Alltagswelten und kultureller Arbeit der Region weiterentwickeln. Die 34-Jährige trat im Juni die Nachfolge von Can Gülcu an. Kir sprach mit ihr.

Seit 2016 arbeitet und forscht das Projekt Interkultur des Regionalverbandes Ruhr (RVR) gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus verschiedenen Bereichen an Formen einer diversen Gemeinschaft.
Megha Kono-Patel, was bedeutet der Begriff „Interkultur“ für Sie?
Er bedeutet derzeit „Möglichkeiten“ für mich. Es gibt die Möglichkeit Akteur*innen aus der Kunst- und Kulturlandschaft zu fördern, sowohl monetär wie ideell, die im alltäglichen Diskurs und Betrieb marginalisiert sind. Gleichzeitig beschäftigen wir uns derzeit damit, was Möglichkeiten und Grenzen des Begriffs sind.
Was sind Ihre Ziele für Interkultur Ruhr?
Das Hauptziel von Interkultur Ruhr ist, die Sichtbarkeit und den Anteil von Kunst- und Kulturschaffenden, die sich als schwarz, of Color, migrantisch und/oder mit jüngerer Fluchtgeschichte definieren, zu erhöhen. Aufgrund verschiedener Elemente der Förderung bei Interkultur Ruhr wird das Projekt zukünftig INTERsektionale KULTURförderung im RUHRgebiet heißen. Neben der Projektförderung wird es eine Prozessförderung geben und ein Fellowship- Programm. Die Vernetzungstreffen bleiben weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Arbeit.
Ergänzt wird Interkultur Ruhr um ein Festival. Das erste ist für Oktober 2026 angedacht. Das drei- bis viertägige Festival wird jedes Jahr an verschiedenen Orten und Städten im Ruhrgebiet stattfinden und einen persönlichen Charakter haben. Es soll neben den Showings Künstler*innengespräche geben, die die künstlerischen Prozesse und die gemeinschaftliche Kuration transparent machen. Ziel ist, das Ruhrgebiet in seiner Vielstimmigkeit zu zeigen.
Sie wollen alle Beteiligten zu co-Kurator:innen machen. Was steckt dahinter?
Es wird ein offenes Akademieprogramm geben für das Netzwerk, ein Qualifizierungsprogramm, an individuellen Bedürfnissen der Fellows orientiert, und ein Fellowship-Programm. Die Fellows werden in gemeinschaftlicher Kuration mit mir ein Festival entwickeln, welches um Formate, Diskursthemen und Querschnitte aus dem Netzwerk im Rahmen der Netzwerktreffen ergänzt wird.
Ihr Arbeitsansatz gilt als „prozessorientiert, gemeinschaftlich und gesellschaftliche Machtverhältnisse hinterfragend“. Das heißt in der Praxis?
Das heißt konkret, dass nicht ausschließlich die Produkte von künstlerischer Arbeit und Kulturarbeit, sondern auch die Arbeitsbedingungen, die Kommunikationsmittel, gesellschaftliche Einflüsse, also Entstehungsprozesse mit in den Blick genommen werden. Für mich ist der Begriff der Gemeinschaft zentral. Und wir kennen alle den Wunsch, etwas möglichst gerecht zu verteilen, gerade in einer selbstkritischen Förderlandschaft. Gleichzeitig sehen Menschen, die sich mit Diskriminierung, damit zusammenhängend auch mit Diversität befassen, dass „für alle“ ein Versprechen ist, das nicht aufgeht. Es ist produktiver, Differenzen und Machtverhältnisse zu markieren, um handlungsfähig zu bleiben und aktiv entgegenzuwirken.
Über Interkultur Ruhr
Der Förderfonds Interkultur Ruhr unterstützt Projekte, die sich mit Diversität sowie mit unterschiedlichen Formen von Ausgrenzung und Benachteiligung auseinandersetzen und auf gesellschaftliche Teilhabe abzielen. Das Netzwerk Interkultur Ruhr dient dem Austausch zwischen interkulturellen Initiativen und Organisationen im Ruhrgebiet. Daneben werden künstlerische Projekte und Koproduktionen in verschiedenen Städten der Region realisiert. Die gemeinsame Initiative mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW ist Teil der Nachhaltigkeitsvereinbarung, die aus der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 hervorgegangen ist.
Megha Kono-Patel bringt dazu umfangreiche Erfahrungen aus politischer Bildung, kuratorischer und dramaturgischer Praxis mit – u. a. als pädagogische Leitung der Migrant:innenselbstorganisation Verein Kamerunischer Ingenieur:innen und Informatiker:innen und als Stadtdramaturgin am Schauspiel Dortmund.