Kunst und Arbeitskampf in Gelsenkirchen

Die „Kunst des Streikens“ nimmt die aktuelle Ausstellung “Radikale Hoffnung. Kunst und Arbeitskampf” im Kunstmuseum Gelsenkirchen in den Blick. Aus der Perspektive internationaler Künstlerinnen und Künstler thematisiert die Schau Arbeitskämpfe von der Moderne bis in die Gegenwart.

Der Arbeitskampf und das Ruhrgebiet sind untrennbar verbunden: Bergleute gingen gegen die Schließung ihrer Zechen auf die Straße, Stahlarbeiter demonstrierten für den Erhalt ihrer Werke, die so genannten „Heinze-Frauen“ kämpften für geschlechtergerechte Bezahlung. Immer fand der Kampf gegen soziale Missstände seinen Widerhall auch in der Kunst. Wie internationale Künstlerinnen und Künstler damit umgingen und umgehen, zeigt die Gelsenkirchener Ausstellung exemplarisch. Sie macht Verbindungen zwischen Kunst und gesellschaftlichem Engagement sichtbar und zeigt, wie Arbeitskämpfe eine eigene künstlerische Praxis hervorgebracht haben – über Plakate, Texte, Musik oder Theater“, betont Museumsleiterin Julia Höner mit Blick auf die Exponate. Zur Auswahl zählen auch Werke, in denen Künstlerinnen und Künstler die Ästhetik des Protests aufgreifen sowie ausgewählte Streikobjekte aus den Arbeitskämpfen der Region.

Die Schau dokumentiert, wie Kunstschaffende Arbeitskämpfe thematisieren – dokumentarisch, poetisch, kritisch, radikal, solidarisch und aus eigener Betroffenheit. Denn solidarische Aktionen und auch Auflehnung gegen Arbeitsbedingungen in der Kultur selbst sind Teil der Präsentation in Gelsenkirchen.  Ab den 1960er Jahren wechselten Kunstschaffende die Perspektive, traten auch selbst durchaus in den Streik.

Dazu thematisiert das Kunstmuseum auch ein feministisches Kapitel des Arbeitskampfes: Arbeiterinnen erstritten in Gelsenkirchen Anfang der 1980er Jahre Lohngleichheit und wurden damit Teil einer europaweiten Bewegung, zu der auch die von Künstlerinnen initiierte Kampagne „Lohn für Hausarbeit“ in Italien zählt. Positionen dazu sind hier zu sehen.

Die Werkauswahl reicht von Stücken aus der Sammlung des Kunstmuseums Gelsenkirchen bis hin zu aktuellen Arbeiten internationaler Kunstschaffender. Zu sehen sind zum Beispiel Grafiken von Käthe Kollwitz und Werke des Künstlers Takis, der sich 1969 in New York mit der „Art Workers’ Coalition“ für eine gewerkschaftsähnliche Organisierung von Künstlerinnen und Künstlern einsetzte. Gezeigt werden auch Arbeiten von Juan Pérez Agirregoikoa, Jeremy Deller, dem Kunstkollektiv Claire Fontaine, Milli Gandini, Nicolás Guagnini, Lee Lozano, Anna Malagrida, Irène Mélix, Gustav Metzger, Malgorzata Mirga-Tas, Jean-Luc Moulène, Mariuccia Secol, Selma Selman, Nicole Wermers sowie Streikobjekte aus lokalen und internationalen Protestbewegungen. Die Ausstellung wird gefördert von der Stiftung Kunstfonds und der Kunststiftung NRW. 

13. Juni bis 4. Oktober

Radikale Hoffnung – Kunst und Arbeitskampf ist bis zum 4. Oktober im Kunstmuseum Gelsenkirchen zu erleben. Der Besuch ist kostenfrei.

Mit dem Begleitprogramm zu Schau beteiligt sich das Kunstmuseum u. a. auch an der Manifesta 16 Ruhr, die am 20. Juni eröffnet. Am 4. und 9. Juli erklingen im Rahmen des Manifesta16 Ruhr+ Programms „Sing our Songs“ in der ehemaligen Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt an der Goldbergstraße 11 in Gelsenkirchen Arbeiterlieder.