3.000 Quadratmeter Revierkunst

Ende April wird das LWL-Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen einmal mehr Spielort der Revierkunst – einer vielfältigen Ausstellung zeitgenössischer bildender Künstlerinnen und Künstler aus der Region – und teilweise darüber hinaus.

Dass die Henrichshütte Hattingen mal Industriemuseum werden würde, hätten sich die dort einst tätigen Stahlarbeiter wohl kaum träumen lassen. Erst recht nicht, dass sie einmal jährlich zum Hotspot zeitgenössischer bildender Kunst werden würde. Revierkunstheißt die Ausstellung, in deren Rahmen 77 Künstlerinnen und Künstler vom 24. April bis 3. Mai 2026 auf einer Ausstellungsfläche von mehr als 3.000 Quadratmetern wieder ihre Werke präsentieren.

 

Die Bandbreite der Arbeiten umfasst Malerei, Skulpturen, Installationen, Streetart, digitale Kunst und Video-Installationen – vom modernen Realismus bis zur Abstraktion. Für die Teilnahme müssen die Künstlerinnen und Künstler sich vorab bewerben. Der Anreiz ist hoch: Vor der beeindruckenden Industriekulisse kommen sie mit interessierten Gästen ins Gespräch. Zudem winken zwei Preise – vergeben durch die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sowie durch das Publikum.

Inspirationsquelle Industriekultur

Scarlett Schauerte nimmt bereits zum zweiten Mal an der Revierkunst teil. 2023 gewann sie den Revierkunst-Sonderpreis für eine gemeinsam mit dem Videokünstler Erwin Wiemer realisierte Installation. Die Industriegebäude und –landschaften der Region haben es der Künstlerin als Inspirationsquelle besonders angetan. Gebürtig stammt sie aus Essen, wo sie nach Stationen unter anderem in Österreich und zuletzt der Schweiz auch heute lebt. „Luzern ist schön. Auf Dauer aber zu schön“, sagt sie lachend. „Die Buntheit und Vielfalt des Ruhrgebiets sind wichtig für meine Arbeit und haben mir gefehlt.“

Die Revierkunst findet Scarlett Schauerte schon aufgrund der Location reizvoll: „In der Henrichshütte ist die industrielle Vergangenheit gut spürbar.“ Zu sehen sein werden mehrere Arbeiten, in denen ihre Installationen im Zusammenspiel mit Videos von Erwin Wiemer und der Klangkunst ihres Partners Frank Röttgen eine ganz besondere Wirkung entfalten. Dabei ist es der Künstlerin wichtig, einen Kontrast zu bilden zu der Unruhe, die die Revierkunst durch ihre Fülle an spannenden Arbeiten und vielfältigem Publikum mit sich bringt: „Wir wollen mit den Installationen einen Platz schaffen, an dem man abtauchen und reflektieren kann.“

Raus aus dem stillen Kämmerlein

Für Rainer Claus ist es die erste Revierkunst. Nach einem Grafik-Design-Studium in Dortmund entschied der geborene Herner sich aus pragmatischen Gründen zunächst gegen die freie Kunst und arbeitete viele Jahre als Grafiker. Erst in seinen letzten Agenturjahren begann er sich wieder vermehrt der Kunst zu widmen. „Zunächst ausschließlich im stillen Kämmerlein“, verrät er lächelnd. Bis er im vorigen Jahr zum ersten Mal Werke öffentlich ausstellte.

 

Ermutigt durch die schöne Resonanz entschied er, sich weiterhin aus dem sprichwörtlichen stillen Kämmerlein zu wagen. „Ich möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen“, sagt er. Da kam ihm die Revierkunst mit ihrem vielfältigen Publikum und den zahlreichen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern gerade recht. Kurzerhand bewarb er sich und präsentiert nun vier seiner großformatigen Bilder in der Henrichshütte. Mit seinen Werken bewegt er sich im Spannungsverhältnis zwischen Fotografie und Malerei. Meist arbeitet er spontan aus dem Bauch heraus, „ohne Ziel und Plan“. Ehe er die Bilder im Format 1x1 oder 1x2 Meter auf hochwertigem Alu-Dibond druckt, experimentiert er mit den Motiven auf Fotopapier. „Würde ich immer gleich mit Alu-Dibond arbeiten, bekäme ich auch ein ernsthaftes Platzproblem“, erklärt Rainer Claus lachend.

Plattform für Kunstschaffende

Für beide – Schauerte und Claus – bietet die Revierkunst eine großartige Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren. Als hauptberuflich freischaffende Künstlerin ist Scarlett Schauerte angewiesen auf Fördermöglichkeiten und profitiert davon, dass jede Stadt eigene Angebote bietet. „Dass bundesweit immer mehr Förderungen gestrichen werden, macht mir natürlich schon Sorgen“, sagte sie. Umso wichtiger, dass es Plattformen wie die Revierkunst gibt. Denn Kunst, da ist Scarlett Schauerte sicher, inspiriert alle Lebensbereiche – gerade auch in politisch schwierigen Zeiten.

Revierkunst-Fakten:

LWL-Museum Henrichshütte, Werksstr. 31–33, 45525 Hattingen

Ausstellungsdauer: 24. April – 3. Mai 2026

Eröffnungstag: Freitag, 24. April 2026 10 – 22 Uhr

Weitere Öffnungszeiten: jeweils 10 – 18 Uhr, Montag geschlossen