Mehr als Farbe: Emil Schumachers „Indemini“ in Hagen

Malerei verstand Emil Schumacher als physischen Prozess, das Experimentieren mit Materialien und Techniken als Voraussetzung für seine Kunst. Die aktuelle Hagener Schau „Indemini − Der Erde näher als den Sternen“ zeigt das eindrucksvoll.

Das namensgebende Werk hat das Museum gerade erst erworben: Mit fast drei Metern Höhe ist „Indemini“ ein wirklich monumentales Gemälde, entstanden 1974. Die Farbgebung in Braun- und Grautönen lässt es umso raumgreifender wirken. Schumacher verband hier unterschiedliche Materialien und Schichten zu einer mehrdimensionalen Bildwelt. Dunkle, körperhaft wirkende Materialspuren lassen das Gemälde beinahe in den Raum treten. Jute, Farbe und Teer verbinden sich zu einem Gesamteindruck. Das Werk ist eine der vier größten Leinwände Emil Schumachers (1912–1999) und gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen seines experimentellen Umgangs mit Material. 

Jahrzehntelang war das Bild als Dauerleihgabe im Saarlandmuseum in Saarbrücken zu sehen. Es befand sich aber bisher in Privatbesitz. Mit dem Kauf durch das Emil Schumacher Museum ist es jetzt dauerhaft für die Öffentlichkeit gesichert. Zugleich nimmt es den Neuzugang zum Anlass, dem Namensgeber des Hauses erstmals seit fünf Jahren wieder eine monografische Werkschau zu widmen. Im Zentrum steht die Frage nach der Bedeutung des Materials für Schumachers Schaffen – von den frühen Arbeiten bis zu seinen späten Werkphasen. 

Seit Mitte der 1950er-Jahre lotete Schumacher die Grenzen der Malerei immer wieder neu aus. Er variierte den Umgang mit Farbe und ihren Schichten, erprobte Materialien wie Nägel, Sisal, Papier, Blätter oder andere Fundstücke als Ergänzung, schuf neue Oberflächen und Strukturen.

Und so wird „Indemini“ in Hagen von weiteren Beispielen seiner experimentellen Arbeit flankiert. Zu sehen sind Gemälde, Arbeiten auf Papier, Materialobjekte und Keramiken aus verschiedenen Schaffensphasen. 

Die Schau bietet aber auch die Möglichkeit, dem Künstler über die Schulter zu schauen: Ein privater, bisher unveröffentlichter Super-8-Film von 1970 wurde für die Ausstellung neu digitalisiert und wird erstmals öffentlich gezeigt. Die Aufnahmen zeigen Schumacher unter anderem bei der Arbeit an den damals entstehenden Werken mit Blei, die gemeinsam mit dem Film präsentiert werden. Ähnlich wie bei den großen Bogenbildern, in denen Papier großflächig auf Leinwand in den malerischen Prozess einbezogen wird, macht Schumacher auch das Blei selbst zum Bestandteil der Bildentstehung.

Zu sehen ist „Indemini − Der Erde näher als den Sternen“ noch bis zum 6. Dezember 2026 im Emil Schumacher Museum in Hagen.