Shortlist für Literaturpreis Ruhr 2026 steht

Fünf aktuelle Bücher stehen auf der Shortlist für den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis des Literaturpreis Ruhr 2026. Die Jury aus Autor:innen, Journalist:innen und Buchhändler:innen hat sie aus 39 literarischen Werken unterschiedlicher Genres ausgewählt.

Vom Lebensgefühl im Ruhrgebiet der 1970er Jahre über den Mikrokosmos Baumarkt bis hin zur Naturbetrachtung reicht der Themenkanon der diesjährigen Auswahl, die literarische Bandbreite vom Roman bis zum Prosa-Band. Gemeinsamer Nenner aller Werke: das Ruhrgebiet. Denn der Literaturpreis Ruhr ist die wichtigste ideelle wie materielle Auszeichnung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Autorinnen und Autoren von außerhalb, die über die Region schreiben. Er wird seit 1986 jährlich vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut. In diesem Jahr wird der Preis also bereits 40 Jahre alt.

Die Shortlist

Auf der diesjährigen Shortlist stehen ein Lyrikband, ein Jugendroman, ein autofiktionaler Künstlerroman, ein (Ersatz-)Familienroman und ein Roman aus der Kategorie Literatur der Arbeitswelt. Die Jury hat folgende Werke ausgewählt:

Uwe Carow: Im Dunkeln zu Hause

Uwe Carow fängt in seinem autobiografisch inspirierten Roman das Lebensgefühl im Ruhrgebiet der siebziger Jahre ein, ohne in übliche Klischees zu verfallen. Ein junger Mann aus einer Bergarbeiterfamilie möchte als Maler die Tristesse seiner Lebenswelt durch Farben überwinden, zweifelt aber an den eigenen künstlerischen Fähigkeiten. Aus unprätentiösen, unaufgeregten Beschreibungen entsteht so ein Ruhrgebietsbild von poetischer Konzentration, meint die Jury.

Sarah Jäger: Das Feuer vergessen wir nicht

Sarah Jäger erzählt in ebenso poetischer wie glaubwürdiger Sprache und mit großer Zuneigung zu ihren Figuren von Ari, ihren Lieblingsmenschen Mirjam und Milan und ihrer ersten Liebe: Beim Vorlesen im Altenheim trifft Ari Flint, der nicht ganz so freiwillig dort ist. Als eine Heimbewohnerin vom Streik der Streichholzarbeiterinnen im Jahr 1888 erzählt, stellt sich die 17-Jährige neue Fragen nach der Bedeutung ihres eigenen Lebens. 

Denis Pfabe: Die Möglichkeit einer Ordnung

Mit starken Bildern und unterhaltsamer Sprache erschafft Denis Pfabe einen Mikrokosmos Baumarkt, dem man sich kaum entziehen kann. Lupenreine Helden gibt es nicht, jede Figur ist auf ihre Art gebrochen. Alle ringen um ihren Platz in der Welt, kämpfen mit Digitalisierung und Leistungsdruck – und flüchten sich in Pornografie, Drogen, Affären. Große Themen verhandelt der Roman nebenbei, ohne Anklage oder Urteil: bitterböse und urkomisch, so das Urteil der Jury. 

Patrik Peyn: die leere in der orangerie

Patrik Peyns Prosagedichte sind Annäherungen an Botanische Gärten größtenteils im Ruhrgebiet und ein origineller Beitrag zum Genre des Nature Writing. Mit Namen, Zitaten, Anspielungen erkunden sie die pflanzlichen Territorien ebenso wie die wilde und zugleich gebändigte Sprache dafür, bis an die unscharfen Ränder des Unsagbaren. Peyns sprachlicher Zugang ist kühn, frisch, modern, philosophisch, verzichtet jedoch auf experimentelle Auswüchse. 

Vera Zischke: Pina fällt aus

Routinen sind wichtig für den 20-jährigen Leo, deswegen bringt seine Mutter Pina ihn jeden Dienstag zu Inge. Als Pina ihn nicht zur üblichen Zeit abholen kommt, sucht Inge Hilfe in der Nachbarschaft. Gezwungenermaßen kümmern sich alle zusammen um Leo. Ein warmherziger Roman, der zeigt, wie viel man erreichen kann, wenn man an einem Strang zieht, und wie gut Gemeinschaft und Solidarität tun. 

Verleihung am 15. September

Für den Hauptpreis kamen herausragende Titel aus dem Ruhrgebiet und über das Ruhrgebiet infrage, die im Zeitraum vom 1. Mai 2025 bis 30. April 2026 in einem Verlag oder per Selfpublishing erschienen sind. Wer ihn gewinnt, wird bei der Jubiläums-Verleihungsgala am 15. September 2026 in der Mathias-Jakobs-Stadthalle Gladbeck bekanntgegeben. Neben dem mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis werden außerdem der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis und der undotierte Ehrenpreis verliehen. 

Anmeldungen möglich

Die Teilnahme an der Jubiläumsgala ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Die Anmeldung ist ab sofort über die Website des Literaturbüro Ruhr möglich.