Urbane Künste Ruhr ist weiter auf "Schneckentour"
2026 feiert die Grand Snail Tour Halbzeit: Im April und Mai bespielt die Künstlerische Intervention die 26. und die 27. Ruhrgebietsstadt. Und Urbane Künste Ruhr plant noch mehr.

Dem Spiralmuster eines Schneckenhauses folgend, arbeitet sich das Projekt von Urbane Künste Ruhr seit September 2024 durch die Städte des Ruhrgebiets. Die Mission: Die Menschen vor Ort und im öffentlichen Raum zu erreichen. Kunst mitten in die Stadt zu bringen. Und gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen. Per Anhänger reisen Künstlerinnen und Künstler von Stadt zu Stadt und inszenieren auf öffentlichen Plätzen künstlerische Formate des Austauschs, der Teilhabe und der Koproduktion. Jeder Stopp wird in Zusammenarbeit mit lokalen Akteurinnen und Akteuren gestaltet und von einem Chronisten oder einer Chronistin begleitet. Die Momentaufnahmen werden Teil einer Reisechronik.
Die Idee
Britta Peters, Künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr, erklärt das Konzept der Tour so: “Die Idee ist es, die Menschen über Kunst anzusprechen, anstatt zu versuchen, Besucher*innen anzuziehen, die dann zu einer stationären Ausstellung reisen. Das Konzept knüpft an eine lange Tradition wandernder Künstler*innen an, funktioniert aber auch wie ein Jahrmarkt oder ein Zirkus. Wichtig ist, dass wir nicht einfach an einem Ort auftauchen, sondern dass jeder Halt eine künstlerische Erkundung ist. Unser Ziel ist es, einen Raum für Begegnungen zu schaffen, einen Ort des Austauschs und der Fantasie.”

Seine Premiere feierte das Format im September 2024 in Xanten im Kreis Wesel, also im äußersten Westen des Ruhrgebiets. In ihrem dritten Kalenderjahr reist die Grand Snail Tour durch den Süden des Ruhrgebiets bis an den Niederrhein. Nächster Halt ist am 20. Februar in Hagen. Unter dem Titel “Wüten in Hagen” gestalten Rebecca Racine Ramershoven, Dr. Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray Miedya Mahmod und Dr. Anne Potjans auf dem Wilhelmsplatz ein Programm rund um das Thema Wut und Aggression. Der begleitende Tour-Anhänger wird für diesen Stopp zum “Wutraum” umgebaut und so Teil der interaktiven Video- und Interviewarbeit “Kiss my Anger” von Rebecca Racine Ramershoven. Nach Hagen folgen Breckerfeld (Donnerstag, 12. März 2026), Ennepetal (Donnerstag, 16. April 2026) und Schwelm (Freitag, 24. April 20269). Damit ist die halbe Strecke der dreijährigen Tour durch 53 Ruhrgebietsstädte geschafft.
Unheimliche Verschiebungen
Als Beitrag zur diesjährigen Ruhrtriennale plant Urbane Künste Ruhr wieder eine Ausstellung: “Unheimliche Verschiebungen” will die Schau rund um den Dortmunder Hauptbahnhof erspüren. Künstlerinnen und Künstler wie Anushka Chkheidze, Aleksandra Domanović, das künstlerisch-kuratorische Projekt „Kein schöner Archiv“, Katrin Mayer, Ziran Sha Pei, Joanna Piotrowska, Neda Saeedi, sakasaka, Transsolar, UH HUH HER und Driant Zeneli planen an unterschiedlichen Standorten Projekte, die ökologische, soziale und politische Wechselwirkungen unserer Zeit thematisieren. Sie finden künstlerische Antworten auf eine immer komplexer werdende Gegenwart − mit neuen Erfindungen, Neugier, Umsicht, Schönheit und melancholischen Analysen. Kuratorinnen des Ausstellungsprojekts sind Alisha Raissa Danscher und Britta Peters. Zu sehen sind die „Unheimlichen Verschiebungen“ vom 22. August bis zum 4. Oktober 2026.

Zu Gast bei Urbane Künste Ruhr
Weitergeführt wird auch das Residenzprogramm: Gemeinsam mit der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets vergibt Urbane Künste Ruhr drei dreimonatige Recherche-Aufenthalte im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets in Bochum. Das Programm richtet sich an Künstlerinnen und Künstler, die an einer zeitgenössischen Perspektive auf das Ruhrgebiet und seinen Themen interessiert sind. Während der Recherchephase können die Residenzler im engen Austausch mit dem kuratorischen Team vor Ort eine Projektidee entwickeln, die – je nach Eignung – 2027 Teil einer mehrtägigen Veranstaltung in Duisburg werden soll. Bewerbungsschluss ist der 27. März 2026.