Stempel drauf: Die Manifesta aus Jugendsicht gemappt
Nomadische Biennale, internationales Festival für zeitgenössische Kunst, Treffpunkt für Kunstschaffende aus aller Welt − die Manifesta 16 Ruhr ist klar das Schwergewicht im Kulturjahr. Engagierte Jugendliche sorgen dafür, dass sie kein „Adults only“-Projekt wird.

Timur Can ist 17 Jahre alt, kommt aus Gelsenkirchen, ist politisch und kulturell interessiert. Und er ist Teil der Youth Shift, des Jugendgremiums der Manifesta 16 Ruhr. Bis zu zehn Jugendliche treffen sich seit November 2025 regelmäßig, um ihre eigene Perspektive auf die Biennale zu entwickeln. Dabei sollten sie nicht nur den sprichwörtlichen Blick hinter die Kulissen werfen, sondern ihrer Generation auch eine Stimme bei der Umsetzung der Ruhrgebietsausgabe der Manifesta geben. Sie sind also sowas wie die Jugendabteilung der Manifesta 16 Ruhr.
Manifesta für Jugendliche
Und was bewegt die Jugendlichen? Teilhabe ist das Schlüsselwort. Timur gehört beispielsweise zu den jungen Menschen in der Region, die mitgestalten, etwas bewegen wollen. Er interessiert sich für Kultur und Politik, bringt sich ein, zum Beispiel als Mitglied im Jugendrat seiner Heimatstadt Gelsenkirchen und früher auch in der Jugendgruppe des Consol Theaters. Als die Manifesta ihr Youth Shift-Projekt dort vorstellte, lief sie bei ihm offene Türen ein: „Ich fand das schon sehr interessant: Gerade den Aspekt, dass es eine internationale Biennale ist, die schon in verschiedenen Ländern stattgefunden hat, fand ich sehr ansprechend. Toll, dass das jetzt im Ruhrgebiet stattfindet. Und ich dachte: Das ist eine gute Aktion auch gerade für Jugendliche.“

Im November traf sich die Youth Shift-Gruppe zum ersten Mal, zum Kennenlernen. „Ich fand das schon am Tag eins sehr familiär, weil das eben auch sehr klein war. Wir waren so acht bis zehn Leute zwischen zwölf und 18 Jahren“, erinnert sich Timur. Erwartungen hatte er erstmal keine: „Eigentlich wusste ich da noch gar nicht, was die Manifesta so wirklich ist. Ich wusste nur, dass man mitgestalten kann als Jugendlicher. Ansonsten war ich offen − also ich hatte jetzt nicht die Erwartung, das und das muss jetzt passieren.“

Deshalb ging es für nach dem gemeinsamen Aufwärmen erstmal auf „Manifesta-Tour“: Die Jugendlichen trafen sich mit Teammitgliedern aus den Bereichen Kommunikation, Bildung, Vermittlung, Produktion und Geschäftsführung. Lernten Menschen, Aufgabenbereiche und Orte der Manifesta kennen – und entwickelten ihr eigenes Projekt. Gemeinsam entwarfen sie eine Youth Map für Besucherinnen und Besucher der Biennale. Die Karte verzeichnet alle beteiligten Kirchengebäude in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen.Sie zeigt die Orte auch aus der jungen Perspektive, führt an Spots, die Jugendliche interessieren. „Mir war wichtig, dass man der Map ein bisschen Persönlichkeit und auch Seele gibt“, sagt Timur. „Wir haben da bestimmte Orte gewählt aus Gelsenkirchen, die uns als Jugendliche wichtig sind, zum Beispiel einen Skaterpark. Aber auch ein Dönerladen ist drin, der gut sein soll. Und auch das Consol Theater hab‘ ich eingebracht.“
Gucken und Stempeln
Der Clou an der Karte ist das Stempelsystem: Man muss alle vier Kirchen in Gelsenkirchen und eine weitere Kirche in einer der anderen Städte besuchen, also insgesamt fünf Stempel sammeln, dann bekommt man ein Geschenk. Dadurch sollen Menschen animiert werden, die Idee der Manifesta städteübergreifend zu arbeiten, zu erleben.
Sogar die Stempel für die Aktion hat das Youth Shift-Team selbst entworfen. Ebenso die Illustrationen. Grafikerin Yussra Alaswad setzt die Ideen der Kids professionell um. Die Karte wird dann an allen Manifesta-Standorten in Gelsenkirchen und der näheren Umgebung ausliegen.

„Ich würde mich freuen, wenn viele Jugendliche dieses Angebot annehmen, auch das mit diesen Stempeln“, wünscht sich Timur. „Mir ist natürlich bewusst, dass es auch ein Zeitaufwand ist, alle Kirchen zu sehen. Vielleicht geht man aber wenigstens zu einer Kirche und entwickelt so eine Motivation, mehr anzuschauen. Oder man nimmt irgendeinen Spot mit, der einen angesprochen hat.“
Zusammen etwas schaffen
Er selbst hat etwas für sich mitgenommen aus dem Youth Shift-Projekt: „Was man mit Teamarbeit schaffen kann. Auch wenn man vielleicht gerade nicht weiß, wo man anfangen soll, weil das Projekt zu groß erscheint, kann man trotzdem am Ende etwas erschaffen, was bleibt.“

Timur und alle anderen aus der Youth Shift-Gruppe wollen auf jeden Fall alle Gelsenkirchener Standorte besuchen und ihre eigenen Stempel sammeln. Denn darum geht es ja letztendlich: Junge Menschen für das Programm der Manifesta 16 Ruhr zu begeistern und sie teilhaben zu lassen.
Das ist die Manifesta 16 Ruhr
Die Manifesta 16 Ruhr, die europäische nomadische Biennale für zeitgenössische Kunst, bespielt unter dem Motto „This is not a church“ vom 21. Juni bis 4. Oktober 2026 Kirchengebäude in Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Duisburg. Mehr als 100 internationale Künstlerinnen, Künstler und Kollektive sind beteiligt. Sechs weitere Städte im Ruhrgebiet realisieren 16 Sonderprojekte im Rahmen des Programmes Manifesta 16+. Alle Angebote sind kostenlos. Die Manifesta 16 wurde von einer breiten Allianz um den Regionalverband Ruhr (RVR) und das NRW-Kulturministerium ins Ruhrgebiet eingeladen.
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